Sintra, Glorious Eden

Sempre gostara muito de Sintra! Logo ao entrar, os arvoredos escuros e murmurosos do Ramalhão lhe davam uma melancolia feliz! (Eça de Queiroz)

... auf der Straße nach Sintra, immer näher an Sintra, auf der Straße nach Sintra, immer ferner mir selbst (Fernando Pessoa)

Notizen aus Sintra

Als Byron am 7. Juli 1809 in Lissabon an Land geht, bestimmt Militär das Bild der Stadt. Auf der Iberischen Halbinsel herrscht Krieg.

Begonnen hatte der Peninsular War als Versuch Frankreichs, Portugal mit in die Handelsblockade gegen Großbritannien einzubinden und englischen Besitz zu konfiszieren. Als die königliche Familie dies ablehnte, besetzten französische Truppen unter Jean-Andoche Junot das Land. Am 1. Dezember 1807 wurde Lissabon eingenommen, der portugiesische Adel floh nach Brasilien.

Kurz darauf griff Frankreich Spanien an, wo ein Krieg zwischen dem spanischen König Karl IV. und seinem Sohn Ferdinand VII. mit der Abdankung Karls geendet hatte, so dass Napoleon jetzt seine Interessen durch den franzosenfeindlichen Ferdinand gefährdet sah und seinen Bruder Joseph Bonaparte zum König von Spanien erklärte. In Spanien entbrannte der Widerstand gegen die französischen Okkupation, ein permanenter Kleinkrieg, für den der Begriff Guerilla geprägt wurde und dessen grausamen Bilder von Francisco de Goya als Desastres de la Guerra (Schrecken des Krieges) verewigt wurden.

Im Sommer des nächsten Jahres, am 1. August 1808 landen britische Truppen unter der Führung von Arthur Wellesley in Portugal, an der Mündung des Mondego. Die portugiesische Armee wurde nach englischem Vorbild reformiert und ihre Truppen unter britisches Kommando gestellt. Wellesley und seine portugiesischen Alliierten schlugen am 17. August 1808 die Franzosen unter Delaborde, trafen später auf die verstärkten Truppen von Junot und gewannen die Schlacht von Vimeiro. Kurz darauf kamen Sir Harry "Betty" Burrard und Sir Hew "Dowager" Dalrymple in Portugal an und übernahmen das Kommando, da sie ältere Patente als Wellesley hatten. Im Vertrag von Sintra, zu dem sich die Franzosen nach der Niederlage bei Vimeiro genötigt sahen, vereinbarten die britischen Generäle, dass die französischen Armeen mitsamt Ausrüstung auf britischen Schiffen zurück nach Frankreich gebracht werden durften. Der französische Beutezug durch das Land wurde so legalisiert.

Unterstützt durch die öffentliche Kritik am Vertrag von Sintra kehrte Wellington im April 1809 nach Portugal zurück und setzte die Reformierung der portugiesischen Armee fort. Am 12. Mai 1809 besiegt Wellingtons Armee die Franzosen unter Soult bei Porto, marschiert über die Grenze nach Spanien und verbündet sich mit den Truppen des spanischen Generals Cuesta. Die Schlacht von Talavera endete am 27. Juli 1809 zwar mit dem Rückzug der französischen Truppen, doch Wellington hatte mehr als ein Viertel seiner Kräfte verloren, so dass er sich mit seiner Armee wieder nach Portugal zurückziehen musste.

Im November 1809 begann die Arbeit an den Verteidigungslinien von Torres Vedras.

Vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund entfalten sich die Gesänge des Pilger Harold.

Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Lord Byron Childe Harold's Pilgrimage Arthur Wellesley Junot .

Am 7. Juli ging Byron in Lissabon an Land.

An seine Mutter schreibt Byron am 11. August schon aus Gibraltar:

We left Falmouth on 2nd of July, reached Lisbon after a very favourable passage of four days and a half, and took up our abode for a time in that city.

Anders als Beckford oder Southey wusste Byron wenig über das Land, in dem er ein paar Wochen verbringen sollte. Sprachkenntnisse hatte er, außer ein paar Schimpfworte, mit denen er seinen Anliegen bei den Einheimischen kraftvoll Nachdruck zu verleihen pflegte, wohl keine, mit Geistlichen pflegte er Konversation in holprigem Latein.

Byron scheint in Lissabon das Leben eines gebildeten Reisenden geführt zu haben, eines Weltenbummlers, der die Genüsse des Südens zu schätzen weiß. Zusammen mit seinem Reisegefähren John Cam Hobhouse besuchte er Kirchen und Klöster und ging ins Theater. Noch nach seiner Abreise aus Lissabon, zwei Wochen später, berichtet er Francis Hodgson am 16. Juli 1809, wie er durch den Tejo geschwommen, Orangen gegessen und all die touristische Attraktionen der Stadt genossen habe, zu denen sicherlich auch der portugiesische Wein gehörte.

I must just observe that the village of Cintra in Estremadura is the most beautiful in the world.

Und Byron fügt hinzu:

I am very happy her, because I loves oranges and talk bad Latin to the monks, who understand it, as it is like their own [language], and I goes into society (with my pocket pistols), and I swims in the Tagus all across at once, and I rides on an ass or a mule, and swears Portuguese, and have got a diarrhoea, and bites from the mosquitoes. But what of that? Comfort must not be expected by folks that go a pleasuring.

Sein Freund berichtet:

Only a few days after he arrived in Portugal, Byron swam from Old Lisbon to Belem Castle, and having to contend with a tide and counter current, the wind blowing freshly, was but little less than two hours crossing the river. (Hobhouse, Journey II, S. 808.)

Mag der erste Eindruck Lissabon auch von großer Schönheit gewesen sein, scheint der Dichter später (s)einem Unbehagen freien Lauf gelassen zu haben. Denn ein ganz anderes Bild als in seinen Briefen zeichnet Byron in Childe Harold's Pilgrimage, das drei Jahre nach seiner Reise (1812) erschien.

Nicht nur sind die Portugiesen nun aufgebläht, denn an Respekt den Engländern gegenüber fehlt es ihnen vor allem. Doch Witz hat es schon, wenn Byron vom Leder zieht und einen in der Beschreibung der Stadt nicht selten verwendeten Topos bemüht, demzufolge Lissabon besser aus der Ferne angeschaut als aus der Nähe betrachtet werden sollte:

Doch, die den Fuß nun in die Stadt gesetzt,
Von fern so himmlisch, wenn sie weiter gehn,
Wie unerfreulich finden sie sie jetzt,
Wie viel, für fremden Blick kaum auszustehn!
Palast und Hütt' in gleichem Wust zu sehn,
Das Volk in Schmuck erstickt, in keinem Stand
Ein rein Gewand noch Hemde zu erspähn;
Denn, nimmt Aegyptens Plag' auch überhand,
Hier leistes Wasser nie, noch Kamm ihr Widerstand!

Dass Byron nur mit Pistolen unter Menschen geht, ist kein Wunder. Kaum ein englischer Besucher dieser Zeit, der nicht mit Entsetzen seine Begegnung mit den wilden Hunden der Stadt zu schildern wusste und sich über die Massen bettelnder Mönche erregte, die vor allem protestantischen Gemütern fremd erscheinen mussten. Nicht allein Touristen wurden nachts von mit Messern bewaffneten Banden angegriffen.

Aber davon ist in den Lissabon gewidmeten Canti nicht die Rede.

Was mag das Missbehagen des Dichters geweckt haben?

Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Lord Byron Childe Harold's Pilgrimage .

Auch der Baedeker hat davon gehört, dass der berühmte Lord Byron in Lissabon war.

Aber Byron auch zu lesen, um einmal zu sehen, was der Lord wohl in der Stadt und in Sintra so getrieben hat, das wäre sicher für Eva Missler und Petra Scholz der Mühe zu viel. Wie sonst könnten die Autorinnen schreiben:

Lord Byron, der zu Beginn des 19. Jhs. nach Portugal kam und der Stadt Lissabon nichts Positives abgewinnen konnte, lobte dagegen Sintra als das glorreiche Eden".

In der Übersetzung von Zedlitz steht:

Wie viele Reize Lissabon enthüllt! Es schwimmt ihr Bildnis aus der Fluth, der hellen, Die Dichter einst mit Goldgrund ausgefüllt.

Da ist der Stadt Lissabon ja offensichtlich durchaus Positives abgewonnen, auch wenn ihre Einwohner im Verlauf des Gedichts dann eher schlecht wegkommen.

Alles am Baedeker ist auf die Pointe hingebogen, dass Byron in Sintra sein glorious Eden gefunden habe, wobei glorious mit glorreich wohl die schlechteste seiner möglichen Übersetzungen gefunden hat, denn vor allem soll dieses Eden doch vermutlich herrlich sein.

Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Lord Byron Childe Harold's Pilgrimage Lissabon .

Byron scheint die Portugiesen, man kann sich dieses Eindrucks schlecht erwehren, liest man den Childe Harold, nicht besondern gemocht zu haben. Diese habe er, so Byron in einer Anmerkung zu Stropfe 33, geschildert, wie er sie fand, nämlich feige und voll sklavischer Gesinnung.

Denn jeder span'sche Knecht, stolz wie ein Lord,
Wenn er den lusitan'schen Slaven sieht,
Der Niedern niedrigsten, fühlt noch den Unterschied!

Doch stellt Byron auch fest: daß sie sich seither gebessert, wenigstens an Muth, liegt am Tage.

Aber zu wahrer Männlichkeit sind die Portugiesen nicht aus eigener Kraft gereift; erst die Ankunft des englischen Feldherrn hat aus den Portugiesen echte Männern werden lassen, denen militärischer Enthusiasmus nicht länger fremd ist.

(Allerdings ist die Freiheit, die Byron bei den Lusitanern vermisst, nicht allein militärisch geprägt; denn Legalität, so wohl nicht nur der Verdacht des Pilgers, zählt in Portugal nichts; allgemeine Rechtlosigkeit ist der Grund dafür, dass man in Lissabon überfallen und in den Bergen Sintras erschlagen.)

Denn Byrons missvergnügter Blick auf die Portugiesen bestimmt auch das Bild, das er sich von Sintra macht. Um so seltsamer ist dann, dass sein Glourius Eden seit Jahrzehnten als Slogan für den Fremdenverkehr präsentiert werden kann. Doch herrlich sind in den Gesängen auch jenseits von Lissabons nicht vor allem Menschen, die kommen in Sintra wie im Rest des Landes nicht sonderlich gut weg, sondern Landschaften und Blicke.

Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Lord Byron Childe Harold's Pilgrimage .

Lord Byron wurde als George Gordon Noel Byron am 22. Januar 1788 in London geboren.

Im Alter von zwei Jahren zog er mit seiner Mutter nach Aberdeen; ein Jahr später starb sein Vater auf der Flucht vor Gläubigern in Frankreich.

Seine Kindheit verbrachte Byron vor dem gebirgigen Hinterland der Grampian Highlands mit ihren mit Hügelketten, Wasserfällen, tief eingeschnittenen Tälern und weiten, von kleinen Wäldern umgebenen Moorgebieten.

1798 erbte er von seinem Onkel den Titel eines Lords of Rochdale und zog mit seiner Mutter in die Newstead Abbey nach Nottinghamshire.

Doch zurück im zivilisierten England, blieb die Erinnerung an die noch ungezähmte schottische Landschaft mit dem Hochplateau von Lochnagar, heut ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen:

England! Thy beauties are tame and domestic
To one who has roved o'er the mountains afar:
Oh for the crags that are wild and majestic
The steep frowning glories of the dark Loch na Garr.
(Lachin Y Gair, 1807).

Am 2. Juli 1809 verließ Byron sein Geburtsland, in dem das Leben ihm einsamer als eine traurige Mönchszelle erschien, und stach mit seinem Freund John Cam Hobhouse von Falmouth nach Lissabon in See.

Oh yes. Then loathed he in his native land to dwell
Which seem'd to him more lone than Eremite's sad cell
(Childe Harold's Pilgrimage, 1. Gesang).

Über Lissabon fuhr er nach Spanien, besuchte Albanien, Malta, Griechenland und die Küste Kleinasiens.

Im Sommer 1811 kehrt Byron nach England zurück.

Die ersten beiden Canti von Childe Harold's Pilgrimage wurden im März 1812 veröffentlicht und ihr Autor wurde über Nacht zum Star der literarischen Salons. "Ich erwachte eines Morgens und fand mich berühmt", schreibt Byron. Er wurde dem Prinzregenten vorgestellt und hatte beste Aussicht, als Poet Laureate offiziellen Ruhm zu ernten. Aber die staatliche Anerkennung provozierte den Freigeist, der Lord Holland gegenüber voller Schrecken über die unerwartete Karriere äußerte: "Bedenken Sie! Das Geld, den Wein und – die Schande!"

Im gleichen Jahr löste Byron durch sein Verhältnis mit der verheirateten Lady Caroline Lamb einen gesellschaftlichen Skandal aus. Seine Geliebte beschrieb den Ruf, den der Dichter sich zu dieser Zeit erworben hat so: "Mad, bad and dangerous to know." Byron wusste, dass man ein öffentliches Image pflegen muss. Schon Zeit seines Lebens war er seinem Mythos als Dandy verpflichtet.

Am 19. April 1824 starb Byron in Messolongi, Griechenland, an den Folgen einer Unterkühlung und den schwächenden Wirkungen eines medizinischen Aderlasses. Anfang 1823 hatte der Dichter als Philhellene das ihm angebotene Kommando über die freien griechischen Streitkräfte angenommen und tat so, wovon Hölderlin in Deutschland immer nur geträumt hat. Schwer zu sagen, was Byron mehr faszinierte, der nationale Befreiungskampf oder der militärische Ruhm.

(Eine Tochter Lord Byrons war Ada Lovelace, die Mitarbeiterin Charles Babbages und Namensgeberin der Programmiersprache Ada. 1843 übersetzte sie die durch den italienischen Mathematiker Luigi Menebrea auf Französisch angefertigte Beschreibung von Babbages Analytical Engine ins Englische und fügte eigene Notizen und Überlegungen zum Bau dieser geplanten mechanischen Rechenmaschine hinzu. Babbages Maschine wurde zu seinen Lebzeiten niemals erbaut, da ihm das britische Parlament die Finanzierung versagte. Dessen ungeachtet legte Ada Lovelace einen schriftlichen Plan vor, wie man Bernoulli-Zahlen mit der Maschine berechnen könnte. Dieser Algorithmus brachte ihr den Ruhm ein, das erste Computerprogramm geschrieben zu haben.)

Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Lord Byron Childe Harold's Pilgrimage .

Vielleicht sind die bösen Schilderungen des portugiesischen Nationalcharakters, die nicht nur Francisco Costa ihm übel genommen hat, auch nur die süße Rache des Poeten, der sich in Lissabon vor dem Theater eine Ohrfeige von einem eifersüchtigen Ehemann eingefangen hat.

Darüber jedenfalls wird in der Forschung spekuliert, Belege scheint es nicht zu geben, nach der Frau wurde gesucht, aber das Objekt der Begierde nicht gefunden.

Aber Byron meint es ja durchaus ernst mit seiner Beschreibung, deswegen wäre es auch Schade, sie politisch korrekt mit biographischen Reaktionen, dem spekulativen Einblick ins Dichterleben zu erklären.

Denn Byron hält in den Anmerkungen einen veristischen Kern seines Gedichts fest, dessen Gehalt weder in der Heldenseele noch mittels der biographischen Erforschung des Autors zu finden sei. Er habe das Gedicht in Albanien begonnen (?) und in Spanien und Portugal nach eigenen Beobachtungen niedergeschrieben. So lerne der Leser zwar einen fabelhaften Charakter als Verbindung der Teile kennen, den Pilger Harold, aber müsse deswegen doch nicht an der Richtigkeit der Beschreibungen zweifeln.

Aber vielleicht kann als Faustregel gelten: wer so auf Sachlichkeit pocht, kultiviert in Wirklichkeit ein tiefes Ressentiment und will zunächst verletzen - und gar nicht beschreiben.

Ohnehin ist Byron ja später, die Anmerkung zum Gedicht zeigt es, von seiner ersten Meinung ein Stück abgewichen. Lord Wellington wird gleichsam der Zuchtmeister, dem es gelingt, die portugiesischen Nation mit militärischem Geist zu beflügeln.

Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Lord Byron Childe Harold's Pilgrimage Francisco Costa Lord Wellington .

In einem Brief an Hodgson schreibt Byron, dass Sintra der schönste Ort der Welt sei.

I must just observe that the village of Cintra in Estremadura is the most beautiful in the world.

Doch was faszinierte Byron eigentlich an Sintra? Was hat er gesehen und zum Urbild romantischer Landschaft verzaubert? Byrons Sintra, daran besteht kein Zweifel, war nicht die Landschaft, die wir heute vor Augen haben. Das hat gar nicht so sehr mit der urbanen Entwicklung der letzten zwei Jahrhundert zu tun, sondern vor allem mit der unter König Dom Fernando II. kultivierten Natur.

Byron in Sintra - Lawrence Inn

Quartier bezogen hat Byron im ältesten Hotel der Halbinsel, in dem von Mrs. Dyson geführten Lawrence Inn, das seit den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts unter Engländern als bevorzugte Herberge galt. Gerüchten nach, die natürlich als Werbung dem Hotel äußerst gelegen kamen, schrieb Byron hier die ersten Strophen seines Childe Harold.

Das Hotel liegt ein paar Schritte außerhalb der Stadt, an der Straße nach Seteais und Monserrate. Von Byrons Fenster aus öffnete sich (wahrscheinlich) der Blick ins Tal nach Colares und bis hin zum Atlantik hin.

Den Regaleira-Palast gab es damals noch nicht und auch die Quinta do Relógio nicht in ihrer aktuellen Gestalt.

(Byron hat nicht, wie des Öfteren zu lesen ist, in Monserrate gewohnt. Das Anwesen war zu bereits viel zu sehr verfallen, als dass es dem Dichter als Herberge hätte dienen können.)

Byron in Sintra - Bruder Honorius

Anders als von Bettelmönchen in den Straßen Lissabons scheint Byron von denen, die er, wie auch brieflich überliefert ist, im Hieronymuskloster getroffen hat, sehr beeindruckt gewesen zu sein. Von ihnen hörte er in gebrochenem Latein die Legende von Bruder Honorius.

Byron in Sintra - Passionswege

Deutlich Missverstanden und in das düstere Portugalbild des Gedichts integriert hat Byron die Holzkreuze, die er in Sintra an Wegesrändern gefunden hatte.

Denn nicht an die Opfer grausamer Vebrechen, sondern den Wanderer an die Leiden Christi sollen diese erinnern. Nicht touristisch markierte Wanderstrecken, sondern ein Netz von Passionswegen durchzog die Serra de Sintra, so dass jeder Schritt zur Nachfolge der Passion wurde. Auch das ein deutlicher Unterschied zur im späten 19. Jahrhundert entstehenden Kulturlandschaft. Während die neu angelegten Wege sich von einer Blickachse in die andere drehen, ist Capuchos das Relikt eines anderen Sintras, in dem alle Wege nach Innen und zur Einkehr führen, nicht aber zum nächsten Aussichtspunkt.

Byron in Sintra - Seteais

Einen Triumpf französischer Staats- über britische Kriegskunst hat Byron in Seteais gesehen, damals im Besitz der Familie der Marialvas.

In Wahrheit wurde der Vertrag von Seteais in Lissabon ausgearbeitet und in Torres Vedras vom britischen Oberbefehlshaber Sir Hew Dalrymple in seinem Hauptquartiert ratifiziert. Die französischen Truppen konnten mit ihrer Beute abziehen, an Reparationskosten wurde nicht gedacht, alles zur Zufriendheit des französischen Unterhändlers Marshall Kellerman. Die Briten vermieden weiteres Blutvergießen und Portugal wurde faktisch zur Kolonie. Offensichtlich hatte die britische Hilfe ihren Preis.

Byron, begeistert für alles Militärische, sah die Portugiesen durch französisches Raffinement betrogen.

Aber auch in England wurde der Vertrag öffentlich kritisiert und als Skandal und Schande empfunden. Southey und Beckford meldeten sich zu Wort, Wordsworth sah sich verannlasst, dem Skandal mit einem Traktat und einem Sonett zu begegnen. Sir Walter Scott hätte lieber Sir Arthur Wellesley anstat Sir Hew Dalrymple an der Spitze des britischen Heeres gesehen.

Goethe hat Byron im Faust II. mit der Figur des Euphorion ein spätes Denkmal gesetzt, mit dem Sohn von Faust und Helena, dessen Tod in seinem Vater die anti-klassizistische Erkenntnis reifen lässt, dass Poesie die Welt nicht verbessern, sondern nur flüchtige Eindrücke hinterlassen kann kann.

Heinrich Heine widmete Byron ein Gedicht mit dem Titel Childe Harold.

Hier beklagen keine romantischen Nixen den Tod des Dichters, sondern zerschellen bloß Wellen am Totenschiff.

Eine starke, schwarze Barke
Segelt trauervoll dahin.
Die vermummten und verstummten
Leichenhüter sitzen drin.

Toter Dichter, stille liegt er,
Mit entblößtem Angesicht;
Seine blauen Augen schauen
Immer noch zum Himmelslicht.

Aus der Tiefe klingts, als riefe
Eine kranke Nixenbraut,
Und die Wellen, sie zerschellen
An dem Kahn, wie Klagelaut.

Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Lord Byron Childe Harold's Pilgrimage Heine Goethe .

Aus dem Englischen des Lord Byron im Versmaß des Originals übersetzt von Zedlitz, Stuttgart 1886.

14.

Hin fliegt das Schiff; die Küste schwand, und wild
Stürmt's in Biscayas schlummerloser Bai;
Vier Tag' entflohn, am fünften aber schwillt
Das Herz in Lust, denn "Land"! ertönt's auf's neu,
Und Cintra's Berge grüßt ein froh Geschrei!
Der Tajo schäumend in den Grund sich senkt,
Und zinst (?) gefabelt Gold. Schon eilt herbei
Der Lusitanische Lots' an Bord, und lenkt
Zu reichen Küsten, wo der Ernte niemand denkt.

15.

O Herr! wie reizend ist es anzusehn;
Wie die Natur bedacht dieß prächt'ge Land;
Wie roth die Frücht' an allen Bäumen stehn,
Welch schöner Anblick an der Hügel Rand!
Und schänden will's der Mensch mit frevler Hand;-
Doch droht des Ew'gen grimme Geißel her,
Die strafend, die sein hoch Gebot verkannt:
Dann züchtigt dreifach sein entflammter Speer,
Der Erde ärgster (sic!) Feind, der Franken Heuschreckheer!-

16.

Wie viele Reize Lissabon enthüllt!
Es schwimmt ihr Bildnis aus der Fluth, der hellen,
Die Dichter einst mit Goldgrund ausgefüllt.
Hier ragen tausend Maste aus den Wellen,
Seit Albion Hülfe sich entschloss zu stellen
Dem Volke Portugals, das, aufgebläht
Von Stolz und Dummheit, seinen Kampfgesellen
Die Hände leckt, und doch den Helfer schmäht,
Der Frankreichs grimmen Herrn im blut'gen Kampf besteht!

17.

Doch, die den Fuß nun in die Stadt gesetzt,
Von fern so himmlisch, wenn sie weiter gehn,
Wie unerfreulich finden sie sie jetzt,
Wie viel, für fremden Blick kaum auszustehn!
Palast und Hütt' in gleichem Wust zu sehn,
Das Volk in Schmuck erstickt, in keinem Stand
Ein rein Gewand noch Hemde zu erspähn;
Denn, nimmt Aegyptens Plag' auch überhand,
Hier leistes Wasser nie, noch Kamm ihr Widerstand!

18.

Armsel'ge Sklaven, so umringt von Pracht!
Wie kann Natur die Wunder so verprassen?
Sieh Cintra's Eden wie es herrlich lacht,
Der Berg' und Schluchten buntverwirrte Massen!
Nur halb zu schildern, was die Blick' umfassen,
G'nügt Stift und Feder nicht! Kein Dicher singt
Von solchem Glanz, als hier zur Schau gelassen,
Wenn er auch Kund' aus ferner Welt uns bringt,
Ja selbst Elysiums verschloss'nes Thor durchdringt.

19.

Verfallne Klöster auf der Klippen Höhn,
Von grauem Kork die steile Schlucht umhüllt;
Das Alpmoos, braun von glühnder Lüfte Wehn,
Bergklüfte, sonnlos, von Gestrüpp erfüllt,
Azurglanz auf den stillen Tiefen mild,
Der grüne Hag goldfarbig übersprengt,
Der Waldstrom rauschend in den Abgrund wild,
Weinhügel, Weiden - alles bunt vermengt
Zu einer einz'gen Schau, wo Reiz an Reiz sich drängt!

20.

Allmählich steigt der vielgewundne Pfad;
So oft Ihr umblickt von dem Felsrevier,
Erstaunt Euch Pracht, die Ihr zuvor nie saht;
Bei der "schmerzhaften Mutter" rastet Ihr!
Dem Fremden zeigen stille Mönche hier
Kleine Reliqiuen, und fromme Sagen
Erzählen Sie. In Höhlen wohnt' einst hier
Honorius, hofft' den Himmel fort zu tragen,
Weil er die Erde sich zur Hölle schuf durch Plagen!

21.

Den Fels erklimmend, könnt an manchem Ort
Ein rauh geschnitztes Kreuz erhöht Ihr sehn;
Nicht fromme Andacht setzt' es weihend dort,
Ein Denkmal ist's, daß da ein Mord geschehn.
Wo grimmer Meuchler Dolch im Blut vergehn
Sein bebend Opfer ließ, heißt fromme Hand
Zur Stell' ein modernd Lattenkreuz erstehn.
So ragen tausend in dem blut'gen Land,
wo Leben Sicherheit nie im Gesetze fand.

22.

Mit Burgen war einst Höh' und Thal besetzt,
Von Königen bewohnt. Nun blühn allein
Noch wilde Blumen dort; doch weilt auch jetzt
Nich zaudernd hier versunknen Glanzes Schein!
Ihr Thürme - fürstlicher Palast. Ja, dein,
Dein war, o Vathek, Englands reichster Sohn,
Einst dieses Eden, doch nun sank es ein!
Kaum daß des Reichthums Macht zerstiebt, und schon
Lauscht sanfte Ruhe dort, wo sonst sie scheu entflohn.

23.

Hier wohntest Du, auf Freude nur bedacht,
Hier, wo die Berge jeder Reiz umfloß;
Doch nun, gleich wie gedrückt von Fluches Macht,
Ist einsam, so wie Du, Dein schönes Schloß.
Es hemmt den Fuß das Unkraut, riesig groß,
Leer sind die Hallen, Pforten gähnend weit,
Dem Denker neue Lehre, eitel bloß
Sey alle Erdenlust, und allbereit
Rafft sie, zerschellt, die Fluth der rücksichtslosen Zeit!

24.

Dort hatten jüngst die Führer sich vereint!
Blickt auf dieß Haus, dem Brittenauge Qual!
Narr'nkappe wird die Krone - Ha, ein Feind,
Ein kleiner Feind, hohnlachend allzumal,
Sitzt, pergamentbekleidet, dort im Saal,
Behängt mit Sandbüchs', Siegel und Papier;
Und viele Namen, hell im Ruhmesstrahl
Der Ritterschaft, stehn unterschrieben hier!
Der Kobold zeigt darauf, und stirbt vor Lachen schier!

25.

Das Teufelchen, das im Marialva's Saal
Der Ritter Hirn bethört, (wenn Hirn im Rath!-)
Des Volkes laute Lust umschuf in Qual,
Es hieß Vertrag! Des Siegers Helmbusch trat
Hier Thorheit in den Staub. Gewonnen hat
Die Staatskunst, was das Schwert verlor, als sey
Für solche Führer keine Lorbeersaat! -
Seit der Triumph in Portugal vorbei,
Tönt nicht Besiegter, nein, der Sieger Wehgeschrei!

26.

Seit dieser Kriegsynod ist England krank,
Hört' es, o Cintra, irgendwo Dich nennen;
Das Volk im Amt, bei Deines Namens Klang,
Möcht' schamerröthen, könnt's in Scham entbrennen!
Wie wird die Nachwelt diese That benennen?
Lacht nicht ein jedes Volk, wenn es entweiht
Die Ehre dieser Helden muss erkennen,
Durch Feinde, sonst besiegt, doch Sieger heut;
Wo Hohn mit Fingern zeigt durch alle künft'ge Zeit.

27.

So schien's dem Ritter, als er einsam dort
Den Berg erstieg! - Wie schön auch rings das Land,
Doch treibt's ihn rastlos wieder weiter fort,
Gleich Schwalben in der Luft! - Und dennoch stand,
Da doch Moral zu Zeiten Eingang fand,
Er in Betrachtung nun! - Es mahnt' ihn laut,
Wie tolldurchrast die Jugend ihm entschwand,
Sein schuldbewußtes Herz; und nun er schaut
Der Wahrheit ins Gesicht, Nacht seinen Blick umgraut.

28.

Zu Roß! zu Roß! - Die Scene, friedlich mild,
Labt seine Seele zwar, doch muß er fliehn;
Er reißt sich los von seiner Träume Bild,
Es locken jetzt nicht Wein noch Dirnen ihn;
Nur vorwärts strebt er, unbestimmt, wohin.
Nicht, wo er ausruhn wird, ist ihm bewußt,
Doch wird er manche Gegend noch durchziehn,
Eh' er, ermüdet von der Wanderslust,
Und durch Erfahrung klug, beschwichtigt seine Brust!-

29.

Zu Mafra weilt' er einen Augenblick,
Wo jene Kön'gin Portugals vor Zeiten
In Gram geschmachtet und in Mißgeschick.
Hier sah an Glanz man Hof und Kirche streiten,
Hier Mönch und Schranzen, mißgepaaret, schreiten;
Hier Festgelag' und Andacht bunt vermengt,
Hier Babels Hure stolz gebläht sich spreizen,
Bis ihrer Blutschuld niemand mehr gedenkt,
Das Knie sich vor dem Pomp, der sie verhüllet, senkt.

30.

Fruchtreiche Flur, romant'sche Höhn entlang,
(O wohnte doch ein freies Volk darin! - )
Wo Lust bei jedem Blick das Herz durchdrang,
Durch manchen hübschen Ort zog Harold hin!
Zwar tolle Jagd scheint dieß dem trägen Sinn,
Der staunt, wenn wer vom Lotterstuhle weicht,
Bloß um des Wegs mühseligen Gewinn!
O süße Labung, wo die Bergluft streicht,
O Leben, dessen Lust nie feiste Ruh' erreicht!

Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Lord Byron Childe Harold's Pilgrimage .

Byrons Childe Harold's Pilgrimage ist eines der bekanntesten und erfolgreichsten Werke des englischen Dichters.

Entstanden in einem Zeitraum von sechs Jahren, verschränkt sich in Childe Harold's Pilgrimage die Entwicklung des jugendlichen Harold mit der künstlerischen Biografie des Autors, der in den später entstandenen Gesängen selbst auf den Plan tritt, so dass die Unterscheidung zwischen Protagonist und Dichters immer schwieriger wird.

Der erste Gesang spannt vor dem Hintergrund aktueller Zeitgeschichte, dem Peninsular War, den Bogen zwischen Portugal und Spanien. Die Begeisterung für die Schönheit Lissabons - What beauties doth Lisboa first unfold! - schlägt angesichts der politischen Folgen des Peninsular War in Depression und Wut - Poor, paltry slaves! - auf die portugiesische Bevölkerung um, die sich in ihrer sklavischen Gesinnung von den Franzosen kampflos hat unterwerfen lassen.

Sintra wird im Gegensatz dazu mit Bildern des romantisch Erhabenen als paradiesische (Grenz-)Landschaft inszeniert, als Wildnis und Refugium von Eremiten, vielleicht eine Wiederkehr seiner Kindheit, die Byron in Schottland, nahe bei Aberdeen verbracht hat.

XIV.

On, on the vessel flies, the land is gone,
And winds are rude in Biscay's sleepless bay.
Four days are sped, but with the fifth, anon,
New shores descried make every bosom gay;
And Cintra's mountain greets them on their way,
And Tagus dashing onward to the deep,
His fabled golden tribute bent to pay;
And soon on board the Lusian pilots leap,
And steer 'twixt fertile shores where yet few rustics reap.

XV.

Oh, Christ! it is a goodly sight to see
What Heaven hath done for this delicious land!
What fruits of fragrance blush on every tree!
What goodly prospects o'er the hills expand!
But man would mar them with an impious hand:
And when the Almighty lifts his fiercest scourge
'Gainst those who most transgress his high command,
With treble vengeance will his hot shafts urge
Gaul's locust host, and earth from fellest foemen purge.

XVI.

What beauties doth Lisboa first unfold!
Her image floating on that noble tide,
Which poets vainly pave with sands of gold,
But now whereon a thousand keels did ride
Of mighty strength, since Albion was allied,
And to the Lusians did her aid afford
A nation swoll'n with ignorance and pride,
Who lick, yet loathe, the hand that waves the sword.
To save them from the wrath of Gaul's unsparing lord.

XVII.

But whoso entereth within this town,
That, sheening far, celestial seems to be,
Disconsolate will wander up and down,
Mid many things unsightly to strange e'e;
For hut and palace show like filthily;
The dingy denizens are reared in dirt;
No personage of high or mean degree
Doth care for cleanness of surtout or shirt,
Though shent with Egypt's plague, unkempt, unwashed, unhurt.

XVIII.

Poor, paltry slaves! yet born midst noblest scenes -
Why, Nature, waste thy wonders on such men?
Lo! Cintra's glorious Eden intervenes
In variegated maze of mount and glen.
Ah me! what hand can pencil guide, or pen,
To follow half on which the eye dilates
Through views more dazzling unto mortal ken
Than those whereof such things the bard relates,
Who to the awe-struck world unlocked Elysium's gates?

XIX.

The horrid crags, by toppling convent crowned,
The cork-trees hoar that clothe the shaggy steep,
The mountain moss by scorching skies imbrowned,
The sunken glen, whose sunless shrubs must weep,
The tender azure of the unruffled deep,
The orange tints that gild the greenest bough,
The torrents that from cliff to valley leap,
The vine on high, the willow branch below,
Mixed in one mighty scene, with varied beauty glow.

XX.

Then slowly climb the many-winding way,
And frequent turn to linger as you go,
From loftier rocks new loveliness survey,
And rest ye at 'Our Lady's House of Woe;'
Where frugal monks their little relics show,
And sundry legends to the stranger tell:
Here impious men have punished been; and lo,
Deep in yon cave Honorius long did dwell,
In hope to merit Heaven by making earth a Hell.

XXI.

And here and there, as up the crags you spring,
Mark many rude-carved crosses near the path;
Yet deem not these devotion's offering -
These are memorials frail of murderous wrath;
For wheresoe'er the shrieking victim hath
Poured forth his blood beneath the assassin's knife,
Some hand erects a cross of mouldering lath;
And grove and glen with thousand such are rife
Throughout this purple land, where law secures not life!

XXII.

On sloping mounds, or in the vale beneath,
Are domes where whilom kings did make repair;
But now the wild flowers round them only breathe:
Yet ruined splendour still is lingering there.
And yonder towers the prince's palace fair:
There thou, too, Vathek! England's wealthiest son,
Once formed thy Paradise, as not aware
When wanton Wealth her mightiest deeds hath done,
Meek Peace voluptuous lures was ever wont to shun.

XXIII.

Here didst thou dwell, here schemes of pleasure plan.
Beneath yon mountain's ever beauteous brow;
But now, as if a thing unblest by man,
Thy fairy dwelling is as lone as thou!
Here giant weeds a passage scarce allow
To halls deserted, portals gaping wide;
Fresh lessons to the thinking bosom, how
Vain are the pleasaunces on earth supplied;
Swept into wrecks anon by Time's ungentle tide.

XXIV.

Behold the hall where chiefs were late convened!
Oh! dome displeasing unto British eye!
With diadem hight foolscap, lo! a fiend,
A little fiend that scoffs incessantly,
There sits in parchment robe arrayed, and by
His side is hung a seal and sable scroll,
Where blazoned glare names known to chivalry,
And sundry signatures adorn the roll,
Whereat the urchin points, and laughs with all his soul.

XXV.

Convention is the dwarfish demon styled
That foiled the knights in Marialva's dome:
Of brains (if brains they had) he them beguiled,
And turned a nation's shallow joy to gloom.
Here Folly dashed to earth the victor's plume,
And Policy regained what Arms had lost:
For chiefs like ours in vain may laurels bloom!
Woe to the conquering, not the conquered host,
Since baffled Triumph droops on Lusitania's coast.

XXVI.

And ever since that martial synod met,
Britannia sickens, Cintra, at thy name;
And folks in office at the mention fret,
And fain would blush, if blush they could, for shame.
How will posterity the deed proclaim!
Will not our own and fellow-nations sneer,
To view these champions cheated of their fame,
By foes in fight o'erthrown, yet victors here,
Where Scorn her finger points through many a coming year?

XXVII.

So deemed the Childe, as o'er the mountains he
Did take his way in solitary guise:
Sweet was the scene, yet soon he thought to flee,
More restless than the swallow in the skies:
Though here awhile he learned to moralise,
For Meditation fixed at times on him,
And conscious Reason whispered to despise
His early youth misspent in maddest whim;
But as he gazed on Truth, his aching eyes grew dim.

XXVIII.

To horse! to horse! he quits, for ever quits
A scene of peace, though soothing to his soul:
Again he rouses from his moping fits,
But seeks not now the harlot and the bowl.
Onward he flies, nor fixed as yet the goal
Where he shall rest him on his pilgrimage;
And o'er him many changing scenes must roll,
Ere toil his thirst for travel can assuage,
Or he shall calm his breast, or learn experience sage.

XXIX.

Yet Mafra shall one moment claim delay,
Where dwelt of yore the Lusians' luckless queen;
And church and court did mingle their array,
And mass and revel were alternate seen;
Lordlings and freres--ill-sorted fry, I ween!
But here the Babylonian whore had built
A dome, where flaunts she in such glorious sheen,
That men forget the blood which she hath spilt,
And bow the knee to Pomp that loves to garnish guilt.

XXX.

O'er vales that teem with fruits, romantic hills,
(Oh that such hills upheld a free-born race!)
Whereon to gaze the eye with joyaunce fills,
Childe Harold wends through many a pleasant place.
Though sluggards deem it but a foolish chase,
And marvel men should quit their easy chair,
The toilsome way, and long, long league to trace.
Oh, there is sweetness in the mountain air
And life, that bloated Ease can never hope to share.

Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Lord Byron Romantik Erhabene Landschaft .

Kaum ein Reiseführer bringt ihn nicht, den zum Slogan gewordenen Ausruf des Pilgers und Touristen Harold aus Byrons Childe Harold's Pilgrimage, der sich in Cintra's glorious Eden versetzt fühlt.

Dass dieses Paradies eines (fast) ohne Menschen ist, dass die Portugiesen vor den Augen des Dichters nur wenig mehr als bloße Verachtung finden, wen kümmert's, wenn nur der Spruch seine Werbezwecke erfüllt. Da ist es dann auch nicht mehr von Bedeutung, dass Byrons Sintra mit dem, in das wir heute reisen können, nur noch wenig gemeinsam hat, so sehr hat sich die (Kultur-)Landschaft verändert.

Wollte man wirklich etwas von dem verstehen, was Byron in Sintra gesehen hat, müsste man seine Beschreibung als romantisches Kapitel einer Faszinationsgeschichte Sintras lesen, das sich um die Projektionen einer Landschaft des Erhabenen dreht, wie wir sie aus den Gemälden Caspar David Friedrichs kennen, und die schon Ende des 19. Jahrhunderts fast völlig aus Sintra verschwunden ist. In den folgenden Beiträgen auch ein paar kurze Anmerkungen dazu, vor allem aber Kommentare zum Sachgehalt der Lissabon und Sintra gewidmeten Gesänge des Gedichts.

Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Lord Byron Caspar David Friedrichs Romantik Erhabene Landschaft .

In Praia das Maçãs wurde Alfredo Keils Vila Guida gerade restauriert. Und der Ort hat seinen vermutlich berühmtesten Einwohner mit einer Straße geehrte, der Rua Alfredo Keil im Bairro dos Afoitos. Die Straße verläuft von der Avenida do Atlântico bis zur Rua dos Afoitos. Außerdem geht die Travessa do Alfredo Keil von der Rua do Alfredo Keil als Sackgasse ab.

Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Alfredo Keil .

Pedro Macieira hat einen kleinen Film mit Eindrücken aus Sintra und Colares zusammengestellt.

Pedro Macieira ist Autor des Blogs

  • Rio das Maçãs
  • .

    Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

    Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
    Bilder .

    In seinem Blog zeigt zm drei prägnanten Beispiele für moderne Architektur in Colares.

    Die ersten beiden dieser

  • Häuser
  • stehen in Penedo, das letzte in Banzão. Das erste Haus, das noch am ehesten sich mit der tradionellen Formensprache unterhält, wurde vom Architekten Manuel Graça Dias gebaut.

    Layout von internen Autolinks flicken.

    Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

    Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
    Architektur Manuel Graça Dias .

    In Colares wird seit April 2007 Altspeiseöl zu Biodiesel recycelt.

    Zwischen April und Dezember wurden 7.820 Liter Speiseöl gesammelt, aus denen 1.618,50 Liter Biodiesel gewonnen werden konnte.

    Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

    Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
    Biodiesel .

    Für 100.000 Euros scheint man ein Haus kaufen zu können, in dem Alfredo Keil Ende des 19. Jahrhunderts gelebt haben soll.

    Stimmen die

  • Angaben des Maklers
  • , dann wurde in dem Haus in Carril die spätere Nationalhymne A Portuguesa zum ersten Mal gespielt und gesungen.

    Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

    Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
    Alfredo Keil .

    Im Sommer 2007 fand in der Adega Visconde de Salreu in Colares die Ausstellung "Alfredo Keil em Sintra 100 Anos Depois" statt.

    Das war es dann auch wieder - Person und Werk Keils sind wieder aus dem öffentlichen Raum verschwunden.

    Vielleicht stünde es Sintra besser, sich um das Erbe Keils zu kümmern und es der Öffentlichkeit auf Dauer zugänglich zu machen - statt im "Museu de Arte Moderna" modernistische Reflexe zu pflegen.

    Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

    Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
    Alfredo Keil Museu de Arte Moderna .

    Die Familie Keil hat architektonisch ihre Spuren in Colares hinterlassen und ist dem Ort und der Landschaft, die Alfredo Keil so fasziniert hat, treu geblieben.

    • In Praia das Maçãs befindet sich die nach Keils Tochter benannte Vila Guida, eines der ältesten Häuser des Ortes.
    • Keil Sohn Luís hat in Eugaria sein Haus nach der bekanntesten Oper seines Vaters A Serrana genannt.
    • Keils Enkel, der Architekt Keil do Amaral, hat im Pinhal do Rodízio ein Haus für sich und seine Mutter Guida Keil bauen lassen.

    Und noch immer lebt ein Teil der Familie Keil in Colares.

    Bilder folgen demnächst ...

    Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

    Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
    Alfredo Keil Guida Keil Keil do Amaral Villa Guida .

    Alfredo Keil ist vor allem bekannt als Komponist der portugiesischen Nationalhymne - darüber hinaus war der Portugiese deutscher Herkunft aber Maler, Schriftsteller, Fotograf und Sammler.

    Alfredo Keils Vater, Johan Christian Keil, stammte aus Hannover. 1839 emigrierte Johan Christian Keil nach Lissabon und ließ sich als Schneider in der portugiesischen Hauptstadt nieder. Aus der Ehe mit der Elsässerin Maria Josefina Stellpflug ging Alfredo Christiano als erster Sohn hervor, 1850 im Palácio de Barcelinhos geboren.

    Johan Christian Keil besaß zwei Geschäfte in der Rua Nova do Almada und avancierte bald zum königlichen Hofschneider. Zu seinen Kunden gehörten nicht nur Aristokratie und Großbürgertum Lissabons, sondern Keil hatte auch international einen ausgezeichneten Ruf. Zu einem beträchtlichen Vermögen gekommen, spekulierte er an der Börse und besaß zahlreiche Immobilien in der Hauptstadt.

    Der Sohn Alfredo genoss alle Vorzüge einer großbürgerlichen Erziehung, zu der Reisen und renommierte Schulen gehörten.

    Schon als Junge zeigte Keil sein außergewöhnliches musikalisches Talent. Mit zwölf Jahren komponierte sein erstes Stück mit dem Titel Pensée Musicale, das seiner Mutter gewidmet war.

    Alfredo Keil besuchte das Colegio de Santo António in Lissabon. Schon 1858 hatte er Kontakte zu António Soller. Mit zehn Jahren wechselte Keil 1860 auf das Colégio Britânico in der Rua Vale de Pereiro. Vom berühmten ungarischen Pianisten Osca de La Cinna erhielt er Klavierunterricht.

    1869 reiste Keil mit seinen Eltern durch Europa, besuchte Madrid, Paris, Genf und Zürich. In Nürnberg wurde er Stundent an der Königlichen Akademie der Schönen Künste. Als 1870 der Deutsch-Französischen Krieg ausbrach verließ Keil Nürnberg und kehrte nach Lissabon zurück.

    Zurück in Lissabon erhielt Keil Lektionen in Malerei bei Miguel Luppi. Seine musikalischen Lehrer waren António Soares und Ernesto Vieira. Bei Joaquim Prieto lernte Keil zeichnen.

    1878 wurde seine Ölgemälde Melancolia in Paris ausgezeichnet.

    1876 heiratet Keil Cleyde Maria Margarida Cinatti, Tochter des berühmten Architekten und Bühnenbildners Giuseppe Luigi Cinatti. Das Ehepaar hatte vier Kinder, Joana, Paulo, Guida und Luís. Joana starb noch als Kind, Paulo war bei seinem Tod bereits erwachsen, aber ohne Kinder.

    Guida studierte Schöne Künste und schrieb ein Werk über die spanische Autorin, Diplomatengattin und Gastgeberin mondäner Salons Carolina Coronado, poetisa romântica.

    Später heiratete sie Francisco Coelho do Amaral. Der im April 1910 geborene Sohn Francisco Keil do Amaral, seine Ehefrau wurde die Malerin Maria Keil, wurde zum Stammvater einer ganzen Dynastie portugiesischer Architekten.

    Der vierte Sohn, Luís, machte Karriere in den Kunstinstitutionen des Landes; unter anderem war er Direktor des Kutschenmuseums und Vizepräsident der Akademie der Schönen Künste. Mit seiner Frau und Tochter kam er 1947 bei einem Autounfall ums Leben.

    Schon 1874 wurde Keil mit zwei Medaillen der Sociedade Promotora de Belas Artes (Gesellschaft zur Förderung der Schönen Künste) geehrt; weitere Auszeichnungen folgten in den nächsten Jahren, Anerkennung fanden vor allem die Gemälde Sesta und Meditação, ein Gemälde, das von König Luís erworben wurde.

    1883 wurde im Theater Trinade die komische Oper in einem Akt Susana aufgeführt. 1884 schrieb Keil die Kantate Pátria., ein Jahr später das symphonische Gedicht Uma Caçada na Corte, 1886 folgten As Orientais.

    Im März 1888 war Premiere der Oper Dona Branca, die Keil als vollen Erfolg verbuchen konnte, dreißig mal wurde das Werk im Teatro São Carlos aufgeführt, im nächsten Jahr sogar wiederholt.

    1893 bringt Keil die Oper Irene in Turin heraus.

    Keil korrespondierte mit Verdi und Massenet, der die Dona Branco überschwänglich lobte.

    Zwischen 1895 und 1899 arbeitete Keil an der Oper Serrana, die den Untertitel Die Frau aus den Bergen trug. Im März 1899 wurde das Werk im Teatro São Carlos uraufgeführt.

    Unvollendet blieben die Opern Índia, an der Keil parallel zur Gedenkfeier der Ankunft Vasco da Gamas in Indien arbeitete, und Simào Ruivo.

    Keil schrieb Polkas, Fados, Walzer und Stücke für Klavier und Gesang. Sein malerisches Werk umfasst an die zweitausend Gemälde.

    Zur Sammlung Keils gehören Werke von Luca Giordano und, so wird vermutet, sogar ein Brueghel. Seine Sammlung von etwas fünfhundert Musikinstrumenten wird heute vom Museu da Música in Lissabon beherbergt.

    Als Autor trat Keil mit Erzählungen und Romanen hervor sowie mit Studien wie einer Kurzen Geschichte antiker und moderner Musikinstrumente (Breve História dos Instrumentos de Música Antigos e Modernos).

    Am 4. Oktober 1907 starb Keil mit 57 Jahren in Hamburg an den Folgen eines chirurgischen Eingriffs.

    Sein Grab befindet sich auf dem Lissabonner Friedhof Dos Prazeres. In Lissabon erinnert eine Gedenktafel auf dem Praça da Alegria an Alfedo Keil.

    Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

    Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
    Alfredo Keil Francisco Keil do Amaral Guida Keil .

    Alfredo Keil, der seine Talente in den verschiedensten Aktiväten spielen ließ, hat in der Oper den angemessenen Raum seiner ästhetischen Sensibilität gefunden.

    Im Spielraum der Oper konnte noch verbunden und in Beziehung gebracht werden, was sich in der Spezialisierung der Künste längst in Praktiken mit je eigenen Regeln differenziert hatte.

    Wer also hätte berufener als Alfredo Keil sein können, für den Ruhm der Oper Wagners auch in Portugal zu sorgen.

    Das Gesamtkunstwerk ist das Alibi des Dilettanten - und seit Wagner ist seine verführerische Aufgabe, die Fragmentarisierung in partielle Leidenschaften zu verwinden und die Brüche in der künstlerischen Aktivität zu heilen, so dass aus den vereinzelten Feldern der ästhetischen Subjektivität wieder ein Werk entstehen kann.

    Der Dilettant ignoriert die Forderung des spezialisierten Profis sich in seiner Tätigkeit zu beschränken, um des Werkes willen die Vielfalt seiner Leidenschaften und Interessen zu opfern und nur auf einer Hochzeit zu tanzen. Eklektizismus ist der Name für diese Treue, die Kosten ihrer ungestillten Neugierde lassen sich in einem Werk beziffern, dass nie ganz fertig wird, sondern Projekt bleibt.

    Allerdings war Keil nie Wagnerianer. Während seiner Lehrjahre an der Akademie der Schönen Künste in Nürnberg (1869-1870), zur Hochzeit des um Wagner installierten Kultes also, und später in München scheint der junge Maler dem Komponisten des Tristan gegenüber seltsam indifferent geblieben zu sein. Zwar begriff er sich zu dieser Zeit wohl keineswegs schon als Komponist, doch scheint die in Aussicht gestellte Vereinigung der künstlerischen Gattungen in Szene, Musik und Poesie der Oper ihn kalt gelassen zu haben.

    Seine musikalische Ausbildung hat Keil, so sein Lehrer Ernesto Vieira in seinen 1914 veröffentlichten Erinnerungen, maßgeblich in Lissbon erhalten. Seinen Schüler beschreibt Vieria so:

    Seine Lust zu produzieren war enorm, seine Phantasie durch keine Geduld gezügelt (...). Ich merkte, dass es für einen derartigen Schüler keine Unterrichtsmethoden geben konnte; um jeden Preis wollte er das Ende erreichen ohne den Anfang zu kennen, und als Kind war er von seinen Eltern so verwöhnt worden, dass er den Wünschen anderer gegenüber immer eigenwillig und aufsässig blieb (...). Und so schritt er regellos und mit Unterbrechungen fort, nicht weil es ihm an natürlichen Begabungen mangelte (die er im Übermaß besaß), sondern weil ihm eine feste Orientierung fehlte.

    Wagner blieb Keil immer fremd, seine Vorliebe galt der italienisch-französischen Bühne, der Oper vor dem Sündenfall ihrer Modernisierung; verwandt fühlte er sich den "italianos da raça velha" und zugehörig der "velha escola da melodia" (Brief an Joaquim de Magalhães, Turin 1893).

    Die (Vor-)Herrschaft dieser Rasse und Schule war aber längst nicht mehr selbstverständlich. Erst 1893, als Keil seine Irene in Turin zur Erstaufführung brachte, konnte Verdi, der bis dahin neue Erfolge nur noch im Ausland für sich verbuchen konnte, sein Comeback mit Otello feiern. Die italienische Oper stagnierte in ihrer Entwicklung und Wagners Einfluss wurde immer erfolgreicher.

    Als Kompromissbildung und Öffnung zu aktuellen Formproblemen kann die neue französische Oper von Komponisten wie Meyerbeer, Offenbach und Bizet gelten.

    Gegen die moderne Kultivierung der Oper setzte sich nicht nur in Lissabon das Konzept der Oper als Museum durch.

    Mit der französischen Grand opéra (Faust, Carmen, Manon) kamen szenografische Effekte und dramatische Tableaus in Mode, große Chöre und Orchester, ausgedehntem Ballett und nicht zuletzt die Integration philosophischer Ideen und literarischer Vorlagen in die Konzeption des Bühnenwerks.

    Auch in Lissabon wurde der Trend zur großen Oper sichtbar: Aida (1878), Carmen (1885) und Otello (1889) sind nur wenige Beispiele für die Attraktion neuer Bühnenformen.

    1877 war Keil in Paris und von der Inszenierung des Le Roi de Lahore (30. Mai) fasziniert. Sein späteres (Opern-)Werk gewinnt in diesem Moment der französischen (Neu-)Gestaltung der italienischen Bühne an Kontur.

    Das Teatro da Trindade war im Januar 1883 Schauplatz der Operette Susana, deren Libretto von Higino de Mendonça stammt.

    Ein Jahr später, 1884, wurde in Lissabon die Real Academia de Amadores de Música gegründet, die Königliche Akademie der Musikliebhaber. An Keils Karriere war die neue Institution nicht unbeteiligt.

    Beim Eröffnungskonzerte der Akademie am 8. Mai 1884 wurde die Kantate Prelúdio de Patrie! vorgestellt, ein Vorgeschmack auf die schließlich vor 4000 Zuschauern im Coliseu dos Recreios erfolgte Aufführung von Patrie.

    Mit dieser Kantate stimmt Keil bereits auf den Marsch A Portugese ein, der später zur portugiesischen Nationalhymne werden sollte.

    Als weitere (Vor-)Studien zu seiner ersten Oper können das Orchesterstück Uma caçada na corte (1884) und die Kantate As Orientais (1886) verstanden werden.

    Am 10. März 1888 war Premiere von Keils Dona Branco im Theatro São Carlos in Lissabon. Das italienische Libretto (César Fereal) basiert auf dem Gedicht von Almeida Garrett, das der Oper, die bis ins Details ihrem Pariser Modell genügen wollte, auch ihren Titel gab. Die Bühnenbilder stammten wie bei allen Opern Keils von Luigi Manini.

    Die Aufführung war ein so bemerkenswerter Erfolg des jungen Komponisten, dass sie in der folgenden Saison wiederholt wurde. Ihrem inszeniertem Anspruch nach maßlos und auch in der Dauer übertrieben, sah Vieria, Keils Lehrer, in der Oper den exzessiven Drang aufs große Ganze seines Schülers, der keine Harmonie der Form zu gewährleisten vermochte.

    Im Mai 1888 war Keil wiederum in Paris und später in Italien, auf der Suche nach internationaler Anerkennung. Doch auf dem Musikmarkt waren die in Lissabon verdienten Lorbeeren wenig wert, die Zirkel der Manager und Impresarios blieben ihm verschlossen.

    Die Oper Irene geht auf die von Almeida Garrett in seinen Viagens na Minha Terra (Reisen durch mein Land) überlieferte Legende der Santa Iria zurück, der Heiligen Irene. Das Libretto stammt wiederum aus der Hand von Fereal. Ihre erfolgreiche, in die Keil fast sein gesamtes Vermögen investierten musste, hatte die Oper in am 22. März 1893 am Königlichen Theater in Turin, wo zwei Monate zuvor Puccinis Manon große Begeisterung ausgelöst hatte.

    Ers drei Jahre später, im Februar 1896, wurde Irene an der Lissaboner Oper aufgeführt. Auch hier besorgte Manini das Bühnenbild. Der Höhepunkt der Inszenierung war eine Ballettszene, in der Engel und Dämonen um die Seele der Protagonistin stritten.

    Allerdings hatte sich zur Zeit der Lissabonner Premiere der Irene die Ästhetik der Oper gewandelt: die opera ballo hatte an Reputation verloren.

    Für seine dritte Oper, Serrana, wählte Keil ein portugiesisches Libretto, das Henrique Lopes de Mendonça auf der Grundlage einer Erzählung von Camilo Castelo Branco verfasste. Mit dem folkloristischem Stoff, das Drama aus Eifersucht und Rache spielt in der pastoralen Beira, versuchte Keil der seit Beginn der neunziger Jahre herrschenden nationalistischen Stimmung auf der (Opern-)Bühne mit einer veristischen Inszenierung zu genügen. Mit dieser Oper sollte die Stunde des musikalischen Nationalismus schlagen und sich das Konzept einer nationalen Oper bewähren.

    Die Uraufführung fand am 13. März 1899 in der Oper São Carlos in Lissabon statt, allerdings in italienischer Sprache. Der Sprachschatz Garretts und die Schönheit seiner Dichtung verwandelte sich in ein italienisches Libretto. Die erste nach mehr als einem Jahrhundert für das Teatro São Carlos geschriebene Oper in portugiesischer Sprache musste ins Italienische üebrsetzt werden, um überhaupt aufgeführt werden zu können (Mário Vieira de Carvalho).

    Erst 1909 wurde die Oper im Teatro da Trindade auf Initiative von Afonso Taveira in portugiesischer Sprache inszeniert.

    Alfredo Keils Serrana ist die einzige portugiesische Oper, die sich gegenwärtig noch im nationalen (internationalen?) Repertoire befindet.

    Seine musikalische Leidenschaft hat Keil ruiniert:

    Wenn ich etwas bedauere, dann, dass ich Musik gemacht habe, was mein Ruin war - diese Opern, eine Ambition, die mir schließlich nichts außer kurzlebigem Ruhm gebracht hat

    Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare .

    Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
    Alfredo Keil Ernesto Vieira .

      |<   <<   11   12   13   >>   >|

    Sortiert nach Datum Titel

    Stadtführungen und Wanderungen durch Sintra

    Wenn Sie an einer Wanderung durch die Serra de Sintra oder einer individuellen Stadtführung durch Sintra interessiert sind, benutzen Sie bitte das Kontaktformular.

    Aktionen

    Das Kasino von Sintra

    In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wollten einige Männer der Stadt Sintra ein neues Gesicht verpassen. Das Unternehmen ist mehr oder weniger gescheitert, was bleibt, ist eine leichte Irritation. Notizen zur Geschichte des Kasinos. [ Mehr ... ]

    Wein aus Colares

    Westlich von Lissabon, zwischen der Serra de Sintra und dem Atlantik liegt eines der kleinsten, aber auch eines der berühmtesten Weinbaugebiete Portugals. Notizen zu seiner Geschichte. [ Mehr ... ]

    © Copyright 2008 Dr. Karsten Poppe