Sempre gostara muito de Sintra! Logo ao entrar, os arvoredos escuros e murmurosos do Ramalhão lhe davam uma melancolia feliz! (Eça de Queiroz)
... auf der Straße nach Sintra, immer näher an Sintra, auf der Straße nach Sintra, immer ferner mir selbst (Fernando Pessoa)
Sie sind hier: Sintra Notizen aus Sintra Alfredo Keil – der Komponist der portugiesischen Nationalhymne
Bekannt geworden ist Alfredo Keil als Komponist der portugiesischen Nationalhymne A Portuguesa.
Als Reaktion auf das Britische Ultimatum im Januar 1890 geschrieben, ist das Lied, das formal sehr deutlich an die Marseillaise erinnert, ein Stück politischer Rhetorik, ein Versuch, den patriotischen Enthusiasmus in der Musik zu konservieren.
Noch unmittelbar in diesem heißen Januar hatte Keil das Lied komponiert; Henrique Lopes de Mendonça verfasste im Haus des Komponisten den Text, in „intimen Einverständnis mit Keil“, wie sich der Autor im Herbst 1910 in einem Zeitungsartikel erinnern sollte.
Das Ultimatum, das der englische Botschafter in Lissabon am 11. Januar stellte, verlangte den unmittelbaren Rückzug der portugiesisischen Expeditionstruppen aus den von England beanspruchten Gebieten in Ostafrika. Und das Ultimatum hatte Erfolg. Die Folge waren politische Unruhen in Portugal, darunter der erste republikanische Aufstand am 31. Januar 1891 in Porto.
Keil hatte prompt auf die politischen Ereignisse reagiert und seine Komposition nicht nur äußerst schnell abgeschlossen, sondern sorgte auch mit einem Druck in hoher Auflage für ihre Verbreitung; ganz ähnlich hat er später als geschickter Stratege den Kult um die Nossa Senhora da Vila Nova da Praia in Praia das Maçãs zu popularisieren gewusst.
Flugblätter, Zeitungsartikel und mit dem Lied beschriftete Fächer kursierten bald im ganzen Land, aus dem Lied war ein Hit geworden. Auf dem Grande Concerte Patriótico, dem Großen Patriotischen Konzert, das am 29. März 1890 im Theater S. Carlos stattfand, empfing der nationale Schlager seine öffentliche Weihe; die Primadonna gab den Ton vor, ein durch Studenten der Hauptstadt verstärkter Chor stimmte ein.
Der Song kam offensichtlich beim Volk an, und auch bei der Politik, so dass sich Keil, der seine vollständige Distanz von politischen Angelegenheiten betonte, schnell über die politische Instrumentalisierung des Liedes beklagte, das als spontaner Aufschrei des Volkes und Aufnahme patriotischer Erweckung gedacht war. Die nationale Erregung sollte nicht nicht durch das politische Gezänk verstimmt werden.
Vor der Revolution war die Aufführung des Marsches verboten.
Nationalhymnen sind bügerliche Erfindungen und als solche der musikalische Sountrack zum Nationalstaat des 19. Jahrhunderts. Ihre Durchsetzung geht einher mit der ideologischen und kulturellen Abdankung der europäischen Monarchien. In Portugal wird das besonders deutlich.
Seit 1826 kennt man in Portugal eine Hymno Patriótico.
Am 13. Mai 1809 wurde die Kantate La Speranza o sia L'Augurio Felice von Antonio Marcos im Teatro São Carlos in Lissabon uraufgeführt. Anlass dieser Premiere war der Geburtstag des Prinzregenten Dom João, der sich allerdings zusammen mit Hof und Regierung im brasilianischen Exil befand.
Als der König nach Portugal zurückgekehrt war, verfasste der Autor des Stücks einen Text und vertonte ihn nach Vorgabe der populären Kantate. Nachdem am 22. September 1822 die Constituição Liberal Portuguesa vom König unterzeichnet wurde, konnte das neue Stück als Hymno Imperial e Constitucional der Verfassung gewidmet werden.
Unter Dom Pedro IV. wurde die Hymne offiziell zur Hymno da Carta und so zur musikalischen Repräsentation der Monarchie.
Aber spätestens mit dem Aufstand in Porto vom 31. Januar 1891 wurde Keils Lied zur Melodie des republikanischen Protests gegen die Monarchie.
Und am 5. Oktober 1910 wird die portugiesische Republik dann auch zum Sound dieses Schlagers proklamiert, der wenige Monate später, am 19. Juni 1911, zur offiziellen Hymne erklärt wurde, zu der die rot-grüne Flagge gehisst werden sollte. Nachdem die Republikaner zunächst gegen die Hymne opponiert hatten, war es schliesslich doch zu einer Einigung mit den Monarchisten gekommen.
(Die Tabacaria Costa in der Lissabonner Rua do Ouro 295, die sich rühmte, das älteste Postkartengeschäft des Landes zu sein, verteilte den Text gratis und mit Begleitschreiben an ihre Kunden, um den einheitlichen Vortrag der Hymne zu befördern.)
Im Jahre 1956 wurden von verschieden Seiten Änderungsvorschläge weniger zum Text und zur Melodie als zur Instrumentalbesetzung erhoben. Die Regierung setzte daraufhin eine Kommission ein, um die offizielle Fassung der Hymne "A Portuguesa" festzulegen. Den Kommissionsvorschlag billigte die Regierung am 16.Juli 1957.
Zuletzt geändert am 26.05.2008 11:15:37 von K.P.
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