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Notizen aus Sintra

Alfredo Keil - Biographisches

Von: K.P. am 25. Mai 2008

Sintra | Kultur Archiv

Alfredo Keil ist vor allem bekannt als Komponist der portugiesischen Nationalhymne - darüber hinaus war der Portugiese deutscher Herkunft aber Maler, Schriftsteller, Fotograf und Sammler.

Alfredo Keils Vater, Johan Christian Keil, stammte aus Hannover. 1839 emigrierte Johan Christian Keil nach Lissabon und ließ sich als Schneider in der portugiesischen Hauptstadt nieder. Aus der Ehe mit der Elsässerin Maria Josefina Stellpflug ging Alfredo Christiano als erster Sohn hervor, 1850 im Palácio de Barcelinhos geboren.

Johan Christian Keil besaß zwei Geschäfte in der Rua Nova do Almada und avancierte bald zum königlichen Hofschneider. Zu seinen Kunden gehörten nicht nur Aristokratie und Großbürgertum Lissabons, sondern Keil hatte auch international einen ausgezeichneten Ruf. Zu einem beträchtlichen Vermögen gekommen, spekulierte er an der Börse und besaß zahlreiche Immobilien in der Hauptstadt.

Der Sohn Alfredo genoss alle Vorzüge einer großbürgerlichen Erziehung, zu der Reisen und renommierte Schulen gehörten.

Schon als Junge zeigte Keil sein außergewöhnliches musikalisches Talent. Mit zwölf Jahren komponierte sein erstes Stück mit dem Titel Pensée Musicale, das seiner Mutter gewidmet war.

Alfredo Keil besuchte das Colegio de Santo António in Lissabon. Schon 1858 hatte er Kontakte zu António Soller. Mit zehn Jahren wechselte Keil 1860 auf das Colégio Britânico in der Rua Vale de Pereiro. Vom berühmten ungarischen Pianisten Osca de La Cinna erhielt er Klavierunterricht.

1869 reiste Keil mit seinen Eltern durch Europa, besuchte Madrid, Paris, Genf und Zürich. In Nürnberg wurde er Stundent an der Königlichen Akademie der Schönen Künste. Als 1870 der Deutsch-Französischen Krieg ausbrach verließ Keil Nürnberg und kehrte nach Lissabon zurück.

Zurück in Lissabon erhielt Keil Lektionen in Malerei bei Miguel Luppi. Seine musikalischen Lehrer waren António Soares und Ernesto Vieira. Bei Joaquim Prieto lernte Keil zeichnen.

1878 wurde seine Ölgemälde Melancolia in Paris ausgezeichnet.

1876 heiratet Keil Cleyde Maria Margarida Cinatti, Tochter des berühmten Architekten und Bühnenbildners Giuseppe Luigi Cinatti. Das Ehepaar hatte vier Kinder, Joana, Paulo, Guida und Luís. Joana starb noch als Kind, Paulo war bei seinem Tod bereits erwachsen, aber ohne Kinder.

Guida studierte Schöne Künste und schrieb ein Werk über die spanische Autorin, Diplomatengattin und Gastgeberin mondäner Salons Carolina Coronado, poetisa romântica.

Später heiratete sie Francisco Coelho do Amaral. Der im April 1910 geborene Sohn Francisco Keil do Amaral, seine Ehefrau wurde die Malerin Maria Keil, wurde zum Stammvater einer ganzen Dynastie portugiesischer Architekten.

Der vierte Sohn, Luís, machte Karriere in den Kunstinstitutionen des Landes; unter anderem war er Direktor des Kutschenmuseums und Vizepräsident der Akademie der Schönen Künste. Mit seiner Frau und Tochter kam er 1947 bei einem Autounfall ums Leben.

Schon 1874 wurde Keil mit zwei Medaillen der Sociedade Promotora de Belas Artes (Gesellschaft zur Förderung der Schönen Künste) geehrt; weitere Auszeichnungen folgten in den nächsten Jahren, Anerkennung fanden vor allem die Gemälde Sesta und Meditação, ein Gemälde, das von König Luís erworben wurde.

1883 wurde im Theater Trinade die komische Oper in einem Akt Susana aufgeführt. 1884 schrieb Keil die Kantate Pátria., ein Jahr später das symphonische Gedicht Uma Caçada na Corte, 1886 folgten As Orientais.

Im März 1888 war Premiere der Oper Dona Branca, die Keil als vollen Erfolg verbuchen konnte, dreißig mal wurde das Werk im Teatro São Carlos aufgeführt, im nächsten Jahr sogar wiederholt.

1893 bringt Keil die Oper Irene in Turin heraus.

Keil korrespondierte mit Verdi und Massenet, der die Dona Branco überschwänglich lobte.

Zwischen 1895 und 1899 arbeitete Keil an der Oper Serrana, die den Untertitel Die Frau aus den Bergen trug. Im März 1899 wurde das Werk im Teatro São Carlos uraufgeführt.

Unvollendet blieben die Opern Índia, an der Keil parallel zur Gedenkfeier der Ankunft Vasco da Gamas in Indien arbeitete, und Simào Ruivo.

Keil schrieb Polkas, Fados, Walzer und Stücke für Klavier und Gesang. Sein malerisches Werk umfasst an die zweitausend Gemälde.

Zur Sammlung Keils gehören Werke von Luca Giordano und, so wird vermutet, sogar ein Brueghel. Seine Sammlung von etwas fünfhundert Musikinstrumenten wird heute vom Museu da Música in Lissabon beherbergt.

Als Autor trat Keil mit Erzählungen und Romanen hervor sowie mit Studien wie einer Kurzen Geschichte antiker und moderner Musikinstrumente (Breve História dos Instrumentos de Música Antigos e Modernos).

Am 4. Oktober 1907 starb Keil mit 57 Jahren in Hamburg an den Folgen eines chirurgischen Eingriffs.

Sein Grab befindet sich auf dem Lissabonner Friedhof Dos Prazeres. In Lissabon erinnert eine Gedenktafel auf dem Praça da Alegria an Alfedo Keil.

Zuletzt geändert am 25.05.2008 13:29:55 von K.P.

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