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Notizen aus Sintra

Avienus – Quellen zur mythologischen Landschaft Sintras

Von: K.P. am 05. September 2008

Sintra | Kultur Archiv

Eine der ältesten Quelle zur Beschreibung der portugiesischen Atlanikküste ist die Ora Maritima des Rufus Festus Avienus.

(Siehe zu Avienus meine Geschichte Portugals.)

Interessant ist nicht nur, zu sehen, ob sich die von ihm beschriebenen Orte und Völker geografisch und historisch belegen lassen; spannend ist auch seine, leider immer äußerst kurz gehaltene, Beschreibung (oder eher noch: Benennung) der kultischen Qualifikation dieser Orte.

Liest man die Ora Maritima, dann wird eines vor allem klar: dass die beschriebene Küstenlinie auch einer mythologischen und spirituellen Landschaft gleicht. Die Inseln und Vorgebirge, an denen sich die Seefahrer orientierten, waren oft heilige Stätten, der Venus geweiht oder dem Saturn.

(Kaps, die der Venus geweiht waren, lassen auf phönizische oder griechische Kolonisatoren und ihre Handelsniederlassungen schließen.)

Wie die meisten antiken Autoren berichtet Avienus von der Existenz heiliger Orte, ohne allerdings etwas Genauer über Kulte, Priesterschaften und Riten zu wissen. Auch wenn die von Avienus registrierten Orte (und Völker) geografisch nicht sicher lokalisiert werden können, lassen sich aus ihren fragmentarischen Beschreibungen doch Hinweise zur mythologischen Landschaft Sintras (und Lissabons) entnehmen, können sie uns eine Ahnung von der religiösen Bedeutung vermitteln, die Orte wie Peninha oder das Cabo da Roca einst hatten.

Abgesehen von der bloßen Erwähnung einiger Vorgebirge, zu denen auch das namenlose Kap zählt, das sich gegenüber der Küste von Ophiussa erhebt, sind es vor allem drei Stellen, die in die mythologische Landschaft Sintras eingeschrieben werden können.

Eine dem Saturn geheiligte Insel, mitten im Meer gelegen

Avienus kennt in der Gegend von Ophiussa eine

Insel mitten im Meer gelegen, mit üppigem Graswuchs und dem Saturn geheiligt. In ihr lebt aber eine so gewaltige Naturkraft, daß, wenn jemand sich ihr mit dem Schiff nähert, alsbald das Meer an der Insel in Erregung gerät, sie selbst erbebt und die ganze See in hohem Gischt aufschäumt, während das übrige Meer unbeweglich wie ein See ruht. (Ora maritima, 165 ff)

(Man bemerke: auch hier ist von ruhiger See die Rede, nicht vom stürmischen Atlantik. Ist also überhaupt vom Atlanik die Rede, oder nicht vielmehr, wie Stichtenoth glaubt, von der Ostseeküste?)

Das cynetische Vorgebirge, äußerster Punkt des reichen Europas

Im Reich der Cyneten

ragt das cynetische Vorgebirge (tyneticum/cyneticum iugum) an der Stelle, wo das Lichtgestirn seine tägliche Wendung macht, hoch ansteigend als äußerster Punkt des reichen Europas hinaus in die Flut des an Untieren reichen Ozeans. (Ora maritima, 201 ff)

Ein dem Saturn geweihtes Vorgebirge

Eine Tagesreise entfernt vom Anafluss, der das Land der Cyneten durchfließt und an ihrer Küste mündet,

ragt ein heiliges Vorgebirge mit seinen Felsen empor, gleichfalls dem, Saturn geweiht; es brandet das anprallende Meer, und weiterhin dehnt sich ein klippenreiches Ufer aus. Zottige Ziegen streifen hier mit zahlreichen Böcken, die die Einwohner halten, unaufhörlich in der mit Gestrüpp bewachsenen Landschaft umher. Für den Gebrauch im Feldlager und die Segel der Seeleute dienen die besonders langen Haare, die sie hervorbringen. (Ora maritima, 215 ff)

(Das Kap ist also nicht nur an heiliger Ort, sondern in in einem Wirtschaftszentrum gelegen. Vielleicht war das Geschäft mit dem seltenen, weil außergewöhnlich langen Ziegenhaar erträglich. Kult und Kommerz grenzen in dieser Beschreibung aneinander.)

Lissabon, vielleicht, niemals erreicht man die Mitte

Ist das Lissabon und das Mar da Palha, das Strohmeer, was Avienus beschreibt? Der Meerbusen mit seinem Hafen (zu Fuß bräuchte man von hier aus mindestens vier Tage bis an die Gestade der Tartesser) liegt zwischen dem gegenüber (sic!) von Ophiussa liegenden namenlosen Vorgebirge und dem Cempsischen Vorgebirge:

Aber der Meerbusen, der sich von dorther weit auftut, ist nicht in seiner ganzen Ausdehnung mit ein und demselben Wind zu befahren; niemals (numquam oder namquam?) erreicht man die Mitte, wenn der Westwind weht, die übrigen Teile verlangen den Südwind.

Folgt man der Chronologie könnte das namenlose Kap nur das Cabo da Roca sein, die dem Saturn geweihte Insel wäre die Isla Berlenga.

Bemerkenswert auch ein dem Wind geweihter Berg (225-226), vielleicht zwischen Loulé und Tavira gelegen, und die arx Zephyridos (238), wohl identisch mit Berg Fijo in Portugal.

(Bekannt ist auch die Legende, der Wind hätte die lusitanischen Stuten befruchtet.)

Zuletzt geändert am 05.09.2008 8:28:38 von K.P.

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Avienus Cabo da Roca Mythologie Saturn .

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