Sintra, Glorious Eden

Sempre gostara muito de Sintra! Logo ao entrar, os arvoredos escuros e murmurosos do Ramalhão lhe davam uma melancolia feliz! (Eça de Queiroz)

... auf der Straße nach Sintra, immer näher an Sintra, auf der Straße nach Sintra, immer ferner mir selbst (Fernando Pessoa)

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Notizen aus Sintra

Cruges in Sintra – enttäuscht von Seteais

Von: K.P. am 06. Oktober 2008

Santa Maria e São Miguel | Kultur Archiv

Der Spaziergang nach Seteais war im romantischen Sintra obligatorisch, der Weg ein provinzieller Passeio Público.

In Seteais ist allerdings die Enttäuschung groß. Denn während die anderen Figuren in erotischen Angelegenheiten unterwegs sind, ist Cruges in Sintra einer Kindheitserinnerung auf der Spur.

Als sie jedoch in Seteais anlangten, war Cruges tief enttäuscht angesichts jenes mit Gras bedeckten weiten Geländes und des Schlößchen im Hintergrund, eines schmutzigen Gebäudes mit zerbrochenen Fensterscheiben, das pomphaft sein großartiges Wappen am Torbogen gegen den Himmel reckte. Von Kind auf hatte er immer gedacht, Seteais wäre ein malerisches Felsenmassiv, das sich über einem tiefen Tal erheben würde, womit sich die vage Erinnerung an Mondschein und Gitarren verband ... Aber das, was er hier sah, war eine Enttäuschung.

Durch „eines der seitwärts liegenden Wäldchen” spazieren die Müßiggänger dann zum Torbogen.

Dieser ganze Herrensitz mit seinem verrosteten Gitter über der Straße, seinen vom Regen ausgewaschenen steinernen Blumen, dem plumpem Rokokowappen, den von Spinnweben überzogenen Fenstern, den zerbrochenen Ziegeln schien in dieser grünen Eindöde freiwillig sterben zu wollen; er haderte mit seinem Schicksal, seit die letzten eleganten Dreispitzen und Florette von hier verschwunden und die letzten Krinolinen über diesen Rasen geglitten waren.

Der Verfall von Seteais gegen Ende des 19. Jahrhunderts hängt mit der Entwicklung des romantischen Sintras eng zusammen. Gerade die romantische Lust konnte in Seteais nicht befriedigt werden. Die Romantiker konnten mit den klassizistischen Entwürfen weiter Räume und klarer Linien wenig anfangen, die wir auch in Queluz finden. Gegen die lichten Säle von Queluz nehmen sich königlichen Gemächer in Pena wie düstere Puppenstuben aus.

Carlos sitzt auf einer der steinernen Bänke der Terrasse.

Der kleine Palast warf den Schatten seiner tristen Mauer auf jenes Stück Terrasse; aus dem Tal stieg ein kühles Lüftchen herauf, und irgendwo hörte man unten das melancholische Rauschen einer Fontäne.

Und während Alencar über Eusébio schimpft, blickt Cruges ins Tal. Den streng und symmetrisch, nach klassizistischem Geschmack angelegten Garten nimmt er gar nicht zur Kenntnis.

Unterdessen lehnte Cruges an der Brüstung und blickte über die weite Ebene Ackerlandes, die sich da unten dehnte, fruchtbar und gut bestellt, in hellgrüne und dunkelgrüne Vierecke aufgeteilt; sie erinnerte ihn an ein aus Flicken zusammengenähtes Tuch, das auf dem Tisch seines Zimmers lag. Durch die Mitte schlängelten sich die hellen Steifen von Straßen; hier und da leuchtete in einem dichten Hain weiß ein Gutshof auf. Bei jedem Schritt auf jenem Grund, wo es Wasser in Fülle gab, verriet eine Reihe kleiner Ulmen irgendein kühles Bächlein, das sich glitzernd zwischen den Gräsern dahinschlängelte. Tief unten lag das Meer, auf eine Linie zusammengedrängt, die sich in der verschwommenen Zartheit des bläulichen Nebels abzeichnete. Darüber wölbte sich wie ein glänzendes Email ein großartiges, leuchtendes Blau; nur ein vergessenes Nebelwölkchen war dort oben zu sehen, das schlummernd im Licht zu schweben schien.

Aber bei aller romantischen Stimmung hat Cruges noch immer die Stimme seiner Mutter im Ohr:

Zum Teufel, ich darf ja das Käsegebäck nicht vergessen

Bevor sie Seteais verließen, will Cruges noch „das Gelände auf der anderen Seite erkunden” und steigt dazu „zwei alte Steinstufen” hinauf. Und siehe da, begeistert findet er nun den „Sehnsuchtsfelsen” seiner Kindheit, den Penedo de Saudade:

Sie fande ihn triumphierend vor einem Haufen Felsbrocken stehend, die von der Abnutzung glatt waren und bereits die unbestimmte Form von Sitzen hatten, die einmal aus einer poetischen Anwandlung heraus hiergelassen worden waren, um den Terrain die herbe Anmut einer unwirklichen Gegend zu geben.

Prompt weiß Alencar “mit der aufflackernden Leidenschaft eines Nervenkranken” sein Gedicht “Der 6. August” zu rezitieren.

Zitat

Doch mit einer für diesen Schriftsteller typischen Wende entblößt Queirós das romantische Pathos, indem er Alencar nach vollzogenem Geschäft zeigt: da „kauerte der Dichter neben dem Torbogen und schnürte sich die Unterhose fest“.

Und erst jetzt sieht Cruges das Panorama, das sich im Rahmen des Torbogens öffnet, seiner Meinung nach dem Bilde eines Gustave Doré würdig, in der Beschreibung durch den realistischen Autor, der nun die Worte findet, die Cruges zuvor nur geschwätzig stammeln konnte, aber viel mehr einer Fotografie des romantischen Sintra ähnlich:

Im Rund des Bogens glänzte wie in einem schweren steinernen Rahmen ein wundervolles Bild von beinahe phantastischer Komposition in der prächtigen Nachmittagssonne, wie die Illustration einer schönen Ritter- oder Liebeslegende. Im Vordergrund lag das verlassene, grünende, mit gelben Knospen übersäte Terrain, im Hintergrund eine geschlossene Reihe uralter Bäume mit Efeu an den Stämmen, die längst des Gitters eine Mauer aus leuchtendem Blätterwerk bildeten; und unvermittelt tauchte aus diesem dichtbelaubten, sonnenbeschienenen Waldstreifen der anmutige Gipfel des Berges und hob sich im vollen Glanze des Tages plastisch vom Hintergrund des hellblauen Himmels ab, in tiefem Dunkelviolett, gekrönt vom Schloß Pena, das einsam und romantisch auf der Anhöhe stand, mit dem schattigen Park zu seinen Füßen, dem einzelnen schlanken Turm und den Kuppeln, die in der Sonne blinkten, als wären sie aus Gold.

Diese Fotografie hält ein Bild des romantisch Erhabenen fest, eines aber, das sich seit dem Besuch des Lord Byron ganz wesentlich geändert hat, nicht mehr die Macht der Natur, sondern die Inszenierung und Komposition der Landschaft repräsentiert, die so gesehen wird, wie sie gesehen werden soll:

Agora, Cruges, filho, repara tu naquela tela sublime.

Zuletzt geändert am 06.10.2008 10:17:17 von K.P.

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