Sempre gostara muito de Sintra! Logo ao entrar, os arvoredos escuros e murmurosos do Ramalhão lhe davam uma melancolia feliz! (Eça de Queiroz)
... auf der Straße nach Sintra, immer näher an Sintra, auf der Straße nach Sintra, immer ferner mir selbst (Fernando Pessoa)
Sie sind hier: Sintra Notizen aus Sintra Das Kasino von Sintra - Bau und Betrieb
Von: K.P. am 29. April 2008
Eine Gruppe Männer aus Sintra hatte sich des Fortschritts angenommen und wollte die Dinge neu anpacken.
Unter seiner tatkräftigen Führung versammelte Adriano Coelho Ingenieure, Rechtsanwälte und Ärzte und gründete die Sociedade de Turismo de Sintra, um die Stadt touristisch neu zu definieren und die Passivität romantischer Dekadenz durch männliche Tatkraft zu ersetzen. Heute würde wahrscheinlich von einem Rebranding der Marke „Sintra“ gesprochen werden. Nichts Geringeres hatte man vor, als Sintra zu einem der gefragtesten und beliebtesten (groß-)bürgerlichen Ferienorte der ganzen Welt zu machen. Biarritz, Deauville und Baden-Baden waren die Vorbilder dieses neuen kosmopolitischen Geistes.
Denn unter Adriano Coelho wurde nicht nur nur der Bau eines Kasinos, sondern eines ganzen Stadtviertels geplant. Das Kasino war kaum mehr als die Vorhut, der Erstling eines neuen Sintras, Zentrum eines Bezirks mit Luxusgebäuden für die Reichen und Wohnungen für die Mittelklasse, mit Hotels und Theater, mit Kanalisation und moderner Infrastruktur. Obwohl man sich natürlich auf Lord Byron gern berief, sollte ein klarer Bruch mit der Geschichte vollzogen werden. Im Gegensatz zu den verwinkelten Gassen der Altstadt und zur komplexen Struktur des Nationalpalastes waren in den neuen Straßenzügen klare Linien angesagt, Kapriolen verboten. Nicht sollte dem Zufall überlassen, sondern alles von Hand der Ingenieure geplant werden.
Das Kasino wurde innerhalb von nur fünfzehn Monaten gebaut und am 1. August 1924 eingeweiht.
Architekt war Norte Júnior (1887-1962), die technische Leitung hatte Júlio Fonseca. Was die Innenarchitektur angeht, so stammen die Azulejos von Dr. Alves de Sá, die Ölgemälde von Benvindo Ceia.
Die Fassade misst 106 Meter. Der massive Körper des mit neo-klassizistischen Einsprengseln durchsetzten Gebäudes gewinnt zwar durch seine Jugendstilelemente an Leichtigkeit und Eleganz, doch zählt das Kasino sicherlich kaum zu den großen Werken des Architekten, kaum zu vergleichen dem Sitz der Sociedade Amor da Pátria (1931-34) auf der Azoreninsel Horta.
Das Kasino war als Multifunktionskomplex geplant. Ausstellungssaal, Ballsaal, Bibliothek, Billardzimmer, Restaurant und Bar gehörten zum Gebäude. Veranstaltet wurden Kunst- und Fotografieausstellungen, Lesungen, Tanz- und Wohltätigkeitsveranstaltungen, Empfänge und Galadiners. Jazzbands sollten im Rhythmus der zwanziger Jahre die Melancholie vertreiben oder, noch besser, gar nicht erst aufkommen lassen. Eine Spiegelwelt entstand als die gleichsam natürliche Atmosphäre tanzender Jugendstilschönheiten.
Im Kasino probte unter der Leitung von Luís Silveira der Chor Orfeão de Sintra mit seinen mehr als zweihundert Mitgliedern, bis er sich 1926/27 auflöste.
Als Leiter des Kasinos und Restaurants wurde Maurice Poudrel bestellt, der früher einmal das städtische Kasino von Biarritz geleitet hatte. Küchenchef wurde der von der Sociedade dos Hoteleiros de Bordeaux ausgezeichnete Franzose Basset.
Zuletzt geändert am 29.04.2008 10:35:25 von K.P.
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