Sempre gostara muito de Sintra! Logo ao entrar, os arvoredos escuros e murmurosos do Ramalhão lhe davam uma melancolia feliz! (Eça de Queiroz)
... auf der Straße nach Sintra, immer näher an Sintra, auf der Straße nach Sintra, immer ferner mir selbst (Fernando Pessoa)
Sie sind hier: Sintra Notizen aus Sintra Das Kasino von Sintra - Nachgeschichte
Von: K.P. am 29. April 2008
Was dem Kasino fehlte, waren zahlende Gäste; nach einem ersten großen Andrang war die Neugierde schnell verflogen.
Man hatte die Rechnung ohne die Touristen gemacht, denen in Sintra das Meer und die Strände zu weit entfernt sind. Von Alberto Pimentel stammt das Bonmot, dass ganz Lissabon vor allem nach zwei Dingen verrückt sei, nach einem Winter im São Carlos und einem Sommer in Sintra. Allerdings hatten Seebäder sich längst zum touristischen Schlager der Zeit entwickelt. Der August gehörte dem Strandleben, aber schon in den zwanziger Jahren war die Straßenbahn, die an den Atlantik führte, eine nostalgische Reminiszenz, eine Bimmelbahn mit viel zu viel frischer Luft. Und was die Strände anging, so bevorzugten die Leute die Sonne und das ruhige Meer in Estoril, gaben ihm den Vorzug gegenüber dem wilden und rauen Atlantik, der gerade in den Sommermonaten überraschende Wetterwechsel kennt. Estoril, das war der große Konkurrent, und von Estoril lohnte ein Tagesausflug nach Sintra, aber auch nicht mehr.
Von den anfänglichen Plänen waren nur das Kasino und einige Villen im Bairro das Flores verwirklicht worden. Die ökonomische Fehlkalkulation wurde begleitet von der mangelnden Begeisterung, mit der das alte Sintra die Pläne verfolgte. Das aristokratische Sintra konnte sich nur indigniert zeigen angesichts einer lärmenden Invasion von Neureichen und ihrer Fans.
Das Kasino, kaum eröffnet, starb einen langsamen Tod. Adriano Coelho war 1931 verstorben, die verbliebenen Sociedade de Turismo de Sintra bekam die finanziellen Probleme nicht in den Griff.
Das Kasino wurde geschlossen, öffnete 1935 wieder seine Türen, musste allerdings schon nach zwei Jahren wieder schließen.
1938 kam das Kasino unter den Hammer.
1945 wurde das Kasino wieder eröffnet, jetzt im Besitz von Marques de Sousa, einem Industriellen, der sein Vermögen mit Seife gemacht und das Gebäude samt anliegenden Grundstücken erworben hatte. Der Bau eines Kinos, eines Hotels, einer Rollschuhbahn, eines Tennisplatz und eines Schwimmbades waren geplant, denn klar war auch diesem Investor, dass das Kasino nur als Teil eines größeren touristischen Konzepts eine Chance haben konnte.
Aber auch daraus wurde nichts, nur das Kino, nach einem Brand (1985) zum Centro Cultural Olga Cadaval transformiert, wurde 1945 gebaut, wiederum nach Plänen von Norte Júnior.
Kino und Kasino gingen später an die Gemeinde. Im Carlos Manuel wurden weiter Filme gezeigt, das Kasino wurde zum Gymnasium und beherbergte später die städtische Finanzbehörde.
Zwischen 1997 und 2008 wurden im Museu de Arte Moderna Werke der Colecção Berardo de Arte Moderna e Contemporânea gezeigt, die jetzt im Kulturzentrum von Belém zu sehen ist.
Was als Monument des modernen Sintras geplant war, hat nicht so sehr das Stadtbild neu definieren können, sondern vielmehr die Widerstandskraft des alten, des aristokratischen und romantischen Sintras bestätigt. Der bürgerliche Elan, der pragmatische Enthusiasmus eines Fortschrittsgeistes, der keine Traditionen, sondern nur mehr Pläne und Visionen kennt, und mit dem Kasino als Zentrum ein neues Stadtviertel errichten wollte, ist gescheitert. Vieles erinnert an die Großprojekte, mit denen Politiker und Investoren gegenwärtig öffentliche Räume unter ihre Kontrolle bringen und ein für alle Mal mit ihrem Stempel prägen wollen.
Aber die Trägheit des alten Sintras ist auch seine Schwäche; ohnmächtig scheint es von neuen Ferien- und Wohnkomplexen umzingelt und zu einem Freilichtmuseum zu werden, das per Auto, Zug und Bus von mäßig interessierten Tagesgästen besucht und, mit den typischen Souvenirs versorgt, schnell wieder verlassen wird.
Die Klassifikation als Weltkulturerbe hat dieses Sintra festgeschrieben, freilich auch um den Preis eines Klischees. Doch wo uns nichts Besseres einfällt, ist das Bestehende allemal bewahrenswert.
Zuletzt geändert am 29.04.2008 10:36:07 von K.P.
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