Sintra, Glorious Eden

Sempre gostara muito de Sintra! Logo ao entrar, os arvoredos escuros e murmurosos do Ramalhão lhe davam uma melancolia feliz! (Eça de Queiroz)

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Notizen aus Sintra

Die Condessa d'Edla in Sintra – Hochzeit und inneres Exil in Sintra

Von: K.P. am 07. November 2008

Sintra | Kultur Archiv

Als Dom Fernando II. die einstige Primadonna der Lissabonner Oper, die seit ihrer Liaison mit dem Regenten nur noch in ihrer Loge auftrat, heiratete, war er seit sechszehn Jahren Witwer.

Seit 1861 herrschte in Portugal Dom Luís als König, sein Bruder Pedro war ohne Nachkommen gestorben.

Die Ehe wurde am 10. Juni 1869 im Palast Devisme in São Domingos de Benfica geschlossen. Die Infantin Isabel Maria war Trauzeugin.

Nach der Hochzeit wurde Elisa Frederica Hensler von Prinz Ernst II. von Sachsen Coburg-Gotha der Titel einer Condessa D'Edla verliehen. Dom Fernando II. lieferte die Ideen für das Wappen; Edla würde tausend Blumen bedeuten.

Ein großer Teil des Hofes ging auf Distanz, die Presse machte einen Skandal aus der Ehe, eine Sängerin zweifelhafter Herkunft beschmutzte das Erbe Dona Maria II. Auch die königliche Familie war gespalten. Dona Maria Pia de Sabóia, die Ehefrau von König Dom Luís I., zerbrach ostentativ ein Glas, als Dom Fernando vor versammeltem Hof wagte einen Trinkspruch auf seine neue Gemahlin auszubringen.

Die portugiesische Aristokratie war in zwei feindliche Lager gespalten, schließlich gab es zwei Höfe: in Ajuda und in Sintra. Dona Maria Pia sah in der Gräfin die Konkurrenz als Königin, eine zweite Königin brauchte das Land nicht. Und so ist dann kein Wunder, dass sie, als Fernando II. starb, die Condessa aus dem Palácio de Necessidades warf.

Beim ersten öffentlichen Auftritt des Paars nach der Eheschließung erlitt Dom Fernando die Blamage seines Lebens: die Gäste weigerten sich seiner Frau die Hand zu reichen.

Es war Fontes Perreira de Mello, der Dom Fernando II. schließlich riet, den Adel durch Feste an den königlichen Palast zu binden. Durch die Gründung von Wohlfahrtseinrichtungen und Schulen wuchs die Beliebtheit des Paares beim einfachen Volk. Künstler wie der Maler Columbano Bordalo Pinheiro (1857-1929), Sohn des Malers Manuel Maria Bordalo Pinheiro und der jüngere Bruder des großen Karikaturisten Rafael Bordalo Pinheiro (1846−1905), und der Pianist und Komponist José Viana da Mota (1868-1948) wurden protegiert. Mit einem Stipendium der Condessa d'Edla konnte Pinheiro 1881 nach Frankreich reisen, um in Paris unter den bekanntesten Künstlern der Stadt, Édouard Manet, Edgar Degas und Gustave Courbet, zu studieren. José Viana da Mota konnte durch Unterstützung der Gräfin, der er mit dreizehn Jahren das Stück Au Bord du Lac de Pena gewidmet hatte, am Konservatorium in Lissabon studieren.

Doch der Hof blieb gespalten. Immer häufiger fanden sich D. Fernando und die Condessa in Sintra ein, und der Park von Pena wurde schließlich zum größten kulturellen Projekt dieser Ehe.

Sintra wird zum alternativen Kulturhof.

(Nicht zuletzt der Condessa sind die aus Nordamerika importierten Pflanzen zu verdanken; familiäre Beziehungen dürten den Import erleichert haben.)

Aber Sintra war nicht nur ein ästhetisches Refugium, romantischer Ort politischer Resignation, spielte sich im Palácio da Pena doch ein Stück Geheimdiplomatie ab, in dessen Verlauf die einstige Primadonna fast zur spanischen Köngin geworden wäre. Die diplomatischen Fäden in diesem Stück zog vor allem der Marquês de Niza, der mit dafür sorgte, dass Dom Fernando der spanische Thron angeboten wurde.

Dom Fernando reagierte auf die Initiative umsichtig und mit Bedacht. Am 26. Juli 1870 teilt er dem spanischen Botschafter in Lissabon, Fernandez de los Rios, mit, dass er sich im europäischen Interesse und, sofern die Unabhängigkeit Portugals gewährt bliebe, eine positive Antwort vorstellen könne. Das europäische Interesse, das war natürlich die Monarchie, oder anders gesagt: die Angst vor der Republik.

Aber Dom Fernando türmte im Verlauf dieser diplomatischen Runden immer weiter Bedenken auf Bedenken. Und wenn die Frage vielleicht auch nicht offen ausgesprochen wurde, aber hätte in diesem Stück die Rolle der Condessa sein können? Und war da nicht Alice, eine Tochter äußerst zweifelhafter Herkunft?

(Wir befinden uns näher im Zentrum der Weltgeschichte, als es vielleicht den Anschein hat. Denn nachdem D. Fernando den spanischen Thron abgelehnt hatte, bot man diesen Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen (1835-1905) an, verheiratet mit Antónia von Portugal Tochter D. Fernandos und D. Maria II. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck unterstützte dieses Angebot. Frankreich befürchtete eine Einkreisung durch Preußen und Spanien, Kaiser Napoleon III. lehnte deshalb Prinz Leopold als Thronkandidaten ab. Frankreich verlangte eine Zusage von preußischer Seite, für immer auf eine Kandidatur um den spanischen Thron zu verzichten, was nun Preußen wiederum ablehnte. Das führte im Endeffekt mit zum Deutsch-Französischen Krieg (Stichwort: Emser Depesche).)

Zuletzt geändert am 16.12.2008 12:20:28 von K.P.

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