Sempre gostara muito de Sintra! Logo ao entrar, os arvoredos escuros e murmurosos do Ramalhão lhe davam uma melancolia feliz! (Eça de Queiroz)
... auf der Straße nach Sintra, immer näher an Sintra, auf der Straße nach Sintra, immer ferner mir selbst (Fernando Pessoa)
Sie sind hier: Sintra Notizen aus Sintra Dom Fernando II. in Sintra - die Oper und der Dandy
Mit der Konsolidierung des Liberalismus 1834 wurde die Oper in Lissabon zum Vexierbild des öffentlichen Raums. Die Oper wurde zu einem Gegenstand nationalen Interesses, zum Anlass von Diskussionen, die in Cafés, Salons, auf dem Boulevard und in der Presse geführt wurden, ganz so wie heute der Fußball.
Die Fans veranstalten Triumphzüge für ihre Primadonnen, die Rivalinnen wurden nicht ausgebuht, sondern mit gewaltigen pateadas (Fußstampfen) vernichtet. Und die Primadonnen waren Stars: „Die italienischen Hauptdarsteller waren beim Publikum derart angesehen, als ob sie aus einem aristokratischen Geschlecht stammten.“ (Mário Vieira de Carvalho) Die bürgerlich-aristokratischen Familien sahen keine Standesgrenzen mehr, das Opernpersonal wurde mit königlichen Privilegien und fürstlichen Ehren bedacht. So war es schließlich das größte Ziel für Musikliebhaber, die gerade aktuellen Stars in ihren privaten Salons auftreten zu lassen. Der Raum zwischen Bühne und Publikum wurde zur erotischen Szene, in der Saaldiener die Arbeit eines Cupidos verrichteten. Die Oper war nicht nur Dekor für den Alltag, sondern eine Sprache der Liebe. „Das Drama geschah also nicht auf der Bühne, vielmehr bestand es in den Vorgängen zwischen Bühne und Zuschauerraum.“ (Mário Vieira de Carvalho) Die durch die Oper gestiftete Liebe wurde in letzter Konsequenz durch Ehen besiegelt. Schon 1850 hatte sich eine Sängerin an der Lissabonner Oper, Emilia Librandi, mit dem portugiesischen Ministerpräsidenten António José d'Ávila vermählt und war zur Herzogin von Ávila und Bolema geworden.
Wie in der Oper wurden im öffentlichen Leben die gesellschaftlichen Schranken innerhalb der konstitutionellen Monarchie durchlässiger.
Der Marquês de Pombal hatte nach dem Erdbeben von 1755 den Passeio Público als öffentlichen Promenade des gesellschaftlichen Lebens der Hauptstadt entworfen. Allerdings wurden auf diesem bis 1835 von Klostermauern umgebenen Boulevard weder Aristokratie noch Bourgeoisie zu Flaneuren. Noch 1838 hatte Gustav von Heeringen festgestellt, dass die „Zahl der Lustwandelnden im Passeio, im Vergleich zu anderen Städten, auffallend gering“ sei und die vornehmen Damen Lissabon nicht spazieren gingen und außer der Kirche und dem Theater selten öffentliche Orte besuchten.
Doch mit dem Sieg der Liberalismus wurde ein junger deutscher Prinz, Ferdinand von Sachsen-Coburg, zum Emblem eines neuen Lebensgefühls und zum größten Enthusiasten der öffentlichen Promenade, ein Messias, der, so José-Augusto França in seinem Werk über die Romantik in Portugal, gekommen war, um „der Königin Kinder und dem Land ein wenig Geschmack und Zivilisation zu geben“. Die vornehme Gesellschaft folgte dem Vorbild seiner Majestät und zahlte jetzt bereitwillig Eintritt für den Passeio Público, dessen alten Mauern durch neue Vergitterungen ersetzt wurden, hinter denen man sich nun wie auf einer gesicherten Bühne den neugierigen Blicken der Außenstehenden präsentierte.
Als erster Dandy lockerte D. Fernando II. die patriarchalischen Sitten des Landes (und löste den marialva ab, der, so José Cardoso Pires, im Habitus zum Vorläufer des Faschisten wurde). Das Feld der Ehre wird in die Oper verlegt, die Frau ist nicht mehr Luxus-, sondern Lustobjekt, an die Stelle der Verachtung der Kultur tritt die Kultivierung der Sinneslust.
Und in Sintra wird die Opernbühne in die Landschaft gebaut.
(...)
Zuletzt geändert am 05.11.2008 19:07:17 von K.P.
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