Sempre gostara muito de Sintra! Logo ao entrar, os arvoredos escuros e murmurosos do Ramalhão lhe davam uma melancolia feliz! (Eça de Queiroz)
... auf der Straße nach Sintra, immer näher an Sintra, auf der Straße nach Sintra, immer ferner mir selbst (Fernando Pessoa)
Sie sind hier: Sintra Notizen aus Sintra Lord Byron in Sintra - Ritter Harold's Pilgerfahrt (Zedlitz'sche Übersetzung)
Aus dem Englischen des Lord Byron im Versmaß des Originals übersetzt von Zedlitz, Stuttgart 1886.
Hin fliegt das Schiff; die Küste schwand, und wild
Stürmt's in Biscayas schlummerloser Bai;
Vier Tag' entflohn, am fünften aber schwillt
Das Herz in Lust, denn "Land"! ertönt's auf's neu,
Und Cintra's Berge grüßt ein froh Geschrei!
Der Tajo schäumend in den Grund sich senkt,
Und zinst (?) gefabelt Gold. Schon eilt herbei
Der Lusitanische Lots' an Bord, und lenkt
Zu reichen Küsten, wo der Ernte niemand denkt.
O Herr! wie reizend ist es anzusehn;
Wie die Natur bedacht dieß prächt'ge Land;
Wie roth die Frücht' an allen Bäumen stehn,
Welch schöner Anblick an der Hügel Rand!
Und schänden will's der Mensch mit frevler Hand;-
Doch droht des Ew'gen grimme Geißel her,
Die strafend, die sein hoch Gebot verkannt:
Dann züchtigt dreifach sein entflammter Speer,
Der Erde ärgster (sic!) Feind, der Franken Heuschreckheer!-
Wie viele Reize Lissabon enthüllt!
Es schwimmt ihr Bildnis aus der Fluth, der hellen,
Die Dichter einst mit Goldgrund ausgefüllt.
Hier ragen tausend Maste aus den Wellen,
Seit Albion Hülfe sich entschloss zu stellen
Dem Volke Portugals, das, aufgebläht
Von Stolz und Dummheit, seinen Kampfgesellen
Die Hände leckt, und doch den Helfer schmäht,
Der Frankreichs grimmen Herrn im blut'gen Kampf besteht!
Doch, die den Fuß nun in die Stadt gesetzt,
Von fern so himmlisch, wenn sie weiter gehn,
Wie unerfreulich finden sie sie jetzt,
Wie viel, für fremden Blick kaum auszustehn!
Palast und Hütt' in gleichem Wust zu sehn,
Das Volk in Schmuck erstickt, in keinem Stand
Ein rein Gewand noch Hemde zu erspähn;
Denn, nimmt Aegyptens Plag' auch überhand,
Hier leistes Wasser nie, noch Kamm ihr Widerstand!
Armsel'ge Sklaven, so umringt von Pracht!
Wie kann Natur die Wunder so verprassen?
Sieh Cintra's Eden wie es herrlich lacht,
Der Berg' und Schluchten buntverwirrte Massen!
Nur halb zu schildern, was die Blick' umfassen,
G'nügt Stift und Feder nicht! Kein Dicher singt
Von solchem Glanz, als hier zur Schau gelassen,
Wenn er auch Kund' aus ferner Welt uns bringt,
Ja selbst Elysiums verschloss'nes Thor durchdringt.
Verfallne Klöster auf der Klippen Höhn,
Von grauem Kork die steile Schlucht umhüllt;
Das Alpmoos, braun von glühnder Lüfte Wehn,
Bergklüfte, sonnlos, von Gestrüpp erfüllt,
Azurglanz auf den stillen Tiefen mild,
Der grüne Hag goldfarbig übersprengt,
Der Waldstrom rauschend in den Abgrund wild,
Weinhügel, Weiden - alles bunt vermengt
Zu einer einz'gen Schau, wo Reiz an Reiz sich drängt!
Allmählich steigt der vielgewundne Pfad;
So oft Ihr umblickt von dem Felsrevier,
Erstaunt Euch Pracht, die Ihr zuvor nie saht;
Bei der "schmerzhaften Mutter" rastet Ihr!
Dem Fremden zeigen stille Mönche hier
Kleine Reliqiuen, und fromme Sagen
Erzählen Sie. In Höhlen wohnt' einst hier
Honorius, hofft' den Himmel fort zu tragen,
Weil er die Erde sich zur Hölle schuf durch Plagen!
Den Fels erklimmend, könnt an manchem Ort
Ein rauh geschnitztes Kreuz erhöht Ihr sehn;
Nicht fromme Andacht setzt' es weihend dort,
Ein Denkmal ist's, daß da ein Mord geschehn.
Wo grimmer Meuchler Dolch im Blut vergehn
Sein bebend Opfer ließ, heißt fromme Hand
Zur Stell' ein modernd Lattenkreuz erstehn.
So ragen tausend in dem blut'gen Land,
wo Leben Sicherheit nie im Gesetze fand.
Mit Burgen war einst Höh' und Thal besetzt,
Von Königen bewohnt. Nun blühn allein
Noch wilde Blumen dort; doch weilt auch jetzt
Nich zaudernd hier versunknen Glanzes Schein!
Ihr Thürme - fürstlicher Palast. Ja, dein,
Dein war, o Vathek, Englands reichster Sohn,
Einst dieses Eden, doch nun sank es ein!
Kaum daß des Reichthums Macht zerstiebt, und schon
Lauscht sanfte Ruhe dort, wo sonst sie scheu entflohn.
Hier wohntest Du, auf Freude nur bedacht,
Hier, wo die Berge jeder Reiz umfloß;
Doch nun, gleich wie gedrückt von Fluches Macht,
Ist einsam, so wie Du, Dein schönes Schloß.
Es hemmt den Fuß das Unkraut, riesig groß,
Leer sind die Hallen, Pforten gähnend weit,
Dem Denker neue Lehre, eitel bloß
Sey alle Erdenlust, und allbereit
Rafft sie, zerschellt, die Fluth der rücksichtslosen Zeit!
Dort hatten jüngst die Führer sich vereint!
Blickt auf dieß Haus, dem Brittenauge Qual!
Narr'nkappe wird die Krone - Ha, ein Feind,
Ein kleiner Feind, hohnlachend allzumal,
Sitzt, pergamentbekleidet, dort im Saal,
Behängt mit Sandbüchs', Siegel und Papier;
Und viele Namen, hell im Ruhmesstrahl
Der Ritterschaft, stehn unterschrieben hier!
Der Kobold zeigt darauf, und stirbt vor Lachen schier!
Das Teufelchen, das im Marialva's Saal
Der Ritter Hirn bethört, (wenn Hirn im Rath!-)
Des Volkes laute Lust umschuf in Qual,
Es hieß Vertrag! Des Siegers Helmbusch trat
Hier Thorheit in den Staub. Gewonnen hat
Die Staatskunst, was das Schwert verlor, als sey
Für solche Führer keine Lorbeersaat! -
Seit der Triumph in Portugal vorbei,
Tönt nicht Besiegter, nein, der Sieger Wehgeschrei!
Seit dieser Kriegsynod ist England krank,
Hört' es, o Cintra, irgendwo Dich nennen;
Das Volk im Amt, bei Deines Namens Klang,
Möcht' schamerröthen, könnt's in Scham entbrennen!
Wie wird die Nachwelt diese That benennen?
Lacht nicht ein jedes Volk, wenn es entweiht
Die Ehre dieser Helden muss erkennen,
Durch Feinde, sonst besiegt, doch Sieger heut;
Wo Hohn mit Fingern zeigt durch alle künft'ge Zeit.
So schien's dem Ritter, als er einsam dort
Den Berg erstieg! - Wie schön auch rings das Land,
Doch treibt's ihn rastlos wieder weiter fort,
Gleich Schwalben in der Luft! - Und dennoch stand,
Da doch Moral zu Zeiten Eingang fand,
Er in Betrachtung nun! - Es mahnt' ihn laut,
Wie tolldurchrast die Jugend ihm entschwand,
Sein schuldbewußtes Herz; und nun er schaut
Der Wahrheit ins Gesicht, Nacht seinen Blick umgraut.
Zu Roß! zu Roß! - Die Scene, friedlich mild,
Labt seine Seele zwar, doch muß er fliehn;
Er reißt sich los von seiner Träume Bild,
Es locken jetzt nicht Wein noch Dirnen ihn;
Nur vorwärts strebt er, unbestimmt, wohin.
Nicht, wo er ausruhn wird, ist ihm bewußt,
Doch wird er manche Gegend noch durchziehn,
Eh' er, ermüdet von der Wanderslust,
Und durch Erfahrung klug, beschwichtigt seine Brust!-
Zu Mafra weilt' er einen Augenblick,
Wo jene Kön'gin Portugals vor Zeiten
In Gram geschmachtet und in Mißgeschick.
Hier sah an Glanz man Hof und Kirche streiten,
Hier Mönch und Schranzen, mißgepaaret, schreiten;
Hier Festgelag' und Andacht bunt vermengt,
Hier Babels Hure stolz gebläht sich spreizen,
Bis ihrer Blutschuld niemand mehr gedenkt,
Das Knie sich vor dem Pomp, der sie verhüllet, senkt.
Fruchtreiche Flur, romant'sche Höhn entlang,
(O wohnte doch ein freies Volk darin! - )
Wo Lust bei jedem Blick das Herz durchdrang,
Durch manchen hübschen Ort zog Harold hin!
Zwar tolle Jagd scheint dieß dem trägen Sinn,
Der staunt, wenn wer vom Lotterstuhle weicht,
Bloß um des Wegs mühseligen Gewinn!
O süße Labung, wo die Bergluft streicht,
O Leben, dessen Lust nie feiste Ruh' erreicht!
Zuletzt geändert am 08.08.2008 22:35:52 von K.P.
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