Sempre gostara muito de Sintra! Logo ao entrar, os arvoredos escuros e murmurosos do Ramalhão lhe davam uma melancolia feliz! (Eça de Queiroz)
... auf der Straße nach Sintra, immer näher an Sintra, auf der Straße nach Sintra, immer ferner mir selbst (Fernando Pessoa)
Sie sind hier: Sintra Notizen aus Sintra Lord Byron in Sintra - ein paar Anmerkungen zur Faszinationsgschichte der Landschaft
In einem Brief an Hodgson schreibt Byron, dass Sintra der schönste Ort der Welt sei.
I must just observe that the village of Cintra in Estremadura is the most beautiful in the world.
Doch was faszinierte Byron eigentlich an Sintra? Was hat er gesehen und zum Urbild romantischer Landschaft verzaubert? Byrons Sintra, daran besteht kein Zweifel, war nicht die Landschaft, die wir heute vor Augen haben. Das hat gar nicht so sehr mit der urbanen Entwicklung der letzten zwei Jahrhundert zu tun, sondern vor allem mit der unter König Dom Fernando II. kultivierten Natur.
Quartier bezogen hat Byron im ältesten Hotel der Halbinsel, in dem von Mrs. Dyson geführten Lawrence Inn, das seit den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts unter Engländern als bevorzugte Herberge galt. Gerüchten nach, die natürlich als Werbung dem Hotel äußerst gelegen kamen, schrieb Byron hier die ersten Strophen seines Childe Harold.
Das Hotel liegt ein paar Schritte außerhalb der Stadt, an der Straße nach Seteais und Monserrate. Von Byrons Fenster aus öffnete sich (wahrscheinlich) der Blick ins Tal nach Colares und bis hin zum Atlantik hin.
Den Regaleira-Palast gab es damals noch nicht und auch die Quinta do Relógio nicht in ihrer aktuellen Gestalt.
(Byron hat nicht, wie des Öfteren zu lesen ist, in Monserrate gewohnt. Das Anwesen war zu bereits viel zu sehr verfallen, als dass es dem Dichter als Herberge hätte dienen können.)
Anders als von Bettelmönchen in den Straßen Lissabons scheint Byron von denen, die er, wie auch brieflich überliefert ist, im Hieronymuskloster getroffen hat, sehr beeindruckt gewesen zu sein. Von ihnen hörte er in gebrochenem Latein die Legende von Bruder Honorius.
Deutlich Missverstanden und in das düstere Portugalbild des Gedichts integriert hat Byron die Holzkreuze, die er in Sintra an Wegesrändern gefunden hatte.
Denn nicht an die Opfer grausamer Vebrechen, sondern den Wanderer an die Leiden Christi sollen diese erinnern. Nicht touristisch markierte Wanderstrecken, sondern ein Netz von Passionswegen durchzog die Serra de Sintra, so dass jeder Schritt zur Nachfolge der Passion wurde. Auch das ein deutlicher Unterschied zur im späten 19. Jahrhundert entstehenden Kulturlandschaft. Während die neu angelegten Wege sich von einer Blickachse in die andere drehen, ist Capuchos das Relikt eines anderen Sintras, in dem alle Wege nach Innen und zur Einkehr führen, nicht aber zum nächsten Aussichtspunkt.
Einen Triumpf französischer Staats- über britische Kriegskunst hat Byron in Seteais gesehen, damals im Besitz der Familie der Marialvas.
In Wahrheit wurde der Vertrag von Seteais in Lissabon ausgearbeitet und in Torres Vedras vom britischen Oberbefehlshaber Sir Hew Dalrymple in seinem Hauptquartiert ratifiziert. Die französischen Truppen konnten mit ihrer Beute abziehen, an Reparationskosten wurde nicht gedacht, alles zur Zufriendheit des französischen Unterhändlers Marshall Kellerman. Die Briten vermieden weiteres Blutvergießen und Portugal wurde faktisch zur Kolonie. Offensichtlich hatte die britische Hilfe ihren Preis.
Byron, begeistert für alles Militärische, sah die Portugiesen durch französisches Raffinement betrogen.
Aber auch in England wurde der Vertrag öffentlich kritisiert und als Skandal und Schande empfunden. Southey und Beckford meldeten sich zu Wort, Wordsworth sah sich verannlasst, dem Skandal mit einem Traktat und einem Sonett zu begegnen. Sir Walter Scott hätte lieber Sir Arthur Wellesley anstat Sir Hew Dalrymple an der Spitze des britischen Heeres gesehen.
Zuletzt geändert am 10.08.2008 13:28:32 von K.P.
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