Sintra, Glorious Eden

Sempre gostara muito de Sintra! Logo ao entrar, os arvoredos escuros e murmurosos do Ramalhão lhe davam uma melancolia feliz! (Eça de Queiroz)

... auf der Straße nach Sintra, immer näher an Sintra, auf der Straße nach Sintra, immer ferner mir selbst (Fernando Pessoa)

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Notizen aus Sintra

Lord Byron in Sintra - von Lissabon nach Sintra

Von: K.P. am 12. August 2008

Sintra | Kultur Archiv

Am 7. Juli ging Byron in Lissabon an Land.

An seine Mutter schreibt Byron am 11. August schon aus Gibraltar:

We left Falmouth on 2nd of July, reached Lisbon after a very favourable passage of four days and a half, and took up our abode for a time in that city.

Anders als Beckford oder Southey wusste Byron wenig über das Land, in dem er ein paar Wochen verbringen sollte. Sprachkenntnisse hatte er, außer ein paar Schimpfworte, mit denen er seinen Anliegen bei den Einheimischen kraftvoll Nachdruck zu verleihen pflegte, wohl keine, mit Geistlichen pflegte er Konversation in holprigem Latein.

Byron scheint in Lissabon das Leben eines gebildeten Reisenden geführt zu haben, eines Weltenbummlers, der die Genüsse des Südens zu schätzen weiß. Zusammen mit seinem Reisegefähren John Cam Hobhouse besuchte er Kirchen und Klöster und ging ins Theater. Noch nach seiner Abreise aus Lissabon, zwei Wochen später, berichtet er Francis Hodgson am 16. Juli 1809, wie er durch den Tejo geschwommen, Orangen gegessen und all die touristische Attraktionen der Stadt genossen habe, zu denen sicherlich auch der portugiesische Wein gehörte.

I must just observe that the village of Cintra in Estremadura is the most beautiful in the world.

Und Byron fügt hinzu:

I am very happy her, because I loves oranges and talk bad Latin to the monks, who understand it, as it is like their own [language], and I goes into society (with my pocket pistols), and I swims in the Tagus all across at once, and I rides on an ass or a mule, and swears Portuguese, and have got a diarrhoea, and bites from the mosquitoes. But what of that? Comfort must not be expected by folks that go a pleasuring.

Sein Freund berichtet:

Only a few days after he arrived in Portugal, Byron swam from Old Lisbon to Belem Castle, and having to contend with a tide and counter current, the wind blowing freshly, was but little less than two hours crossing the river. (Hobhouse, Journey II, S. 808.)

Mag der erste Eindruck Lissabon auch von großer Schönheit gewesen sein, scheint der Dichter später (s)einem Unbehagen freien Lauf gelassen zu haben. Denn ein ganz anderes Bild als in seinen Briefen zeichnet Byron in Childe Harold's Pilgrimage, das drei Jahre nach seiner Reise (1812) erschien.

Nicht nur sind die Portugiesen nun aufgebläht, denn an Respekt den Engländern gegenüber fehlt es ihnen vor allem. Doch Witz hat es schon, wenn Byron vom Leder zieht und einen in der Beschreibung der Stadt nicht selten verwendeten Topos bemüht, demzufolge Lissabon besser aus der Ferne angeschaut als aus der Nähe betrachtet werden sollte:

Doch, die den Fuß nun in die Stadt gesetzt,
Von fern so himmlisch, wenn sie weiter gehn,
Wie unerfreulich finden sie sie jetzt,
Wie viel, für fremden Blick kaum auszustehn!
Palast und Hütt' in gleichem Wust zu sehn,
Das Volk in Schmuck erstickt, in keinem Stand
Ein rein Gewand noch Hemde zu erspähn;
Denn, nimmt Aegyptens Plag' auch überhand,
Hier leistes Wasser nie, noch Kamm ihr Widerstand!

Dass Byron nur mit Pistolen unter Menschen geht, ist kein Wunder. Kaum ein englischer Besucher dieser Zeit, der nicht mit Entsetzen seine Begegnung mit den wilden Hunden der Stadt zu schildern wusste und sich über die Massen bettelnder Mönche erregte, die vor allem protestantischen Gemütern fremd erscheinen mussten. Nicht allein Touristen wurden nachts von mit Messern bewaffneten Banden angegriffen.

Aber davon ist in den Lissabon gewidmeten Canti nicht die Rede.

Was mag das Missbehagen des Dichters geweckt haben?

Zuletzt geändert am 13.08.2008 19:07:31 von K.P.

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