Sempre gostara muito de Sintra! Logo ao entrar, os arvoredos escuros e murmurosos do Ramalhão lhe davam uma melancolia feliz! (Eça de Queiroz)
... auf der Straße nach Sintra, immer näher an Sintra, auf der Straße nach Sintra, immer ferner mir selbst (Fernando Pessoa)
Sie sind hier: Sintra Notizen aus Sintra Seteias - Eintritt verboten
Von: K.P. am 26. September 2008
Wer zur Zeit den Palast von Seteais besichtigen möchte, steht vor verschlossenen Türen. Gewöhnlich, und das seit über zweihundert Jahren, sind die Parkanlagen im Süden des Luxushotels sowie der Aussichtspunkt mit seinem grandiosen Panorama frei und kostenlos für alle Besucher zugänglich. Das ist nun seit Anfang März 2008 anders.
Besucher werden auf Portugiesisch und Englisch darauf hingewiesen, dass der Eintritt zur Zeit nicht nicht möglich ist, das übliche Plakat informiert über Bauherren und beteiligte Unternehmen. Ein paar Gerüste sind aufgebaut, Baufahrzeuge parken am Triumphbogen.
Während das Hotel saniert wird, bleibt für ein Jahr (bis Januar, Februar 2009) der Zugang zum Campo de Seteais und zum Miradouro geschlossen.
(Auch das Chalet da Condessa ist zur Zeit aus Sicherheitsgründen geschlossen.)
Pächter des sich in Staatsbesitz befindlichen Hotels ist die Gruppe Tivoli, die ihrerseits zur Grupo Espírito Santo gehört.
Für die Schließung werden Sicherheitsgründe geltend gemacht, doch die sind, wenn nicht vorgeschoben, keineswegs einsichtig.
Worum geht es hier? Seit 1801, als der Marquês de Marialva vergeblich versuchte, das Feld für die Öffentlichkeit zu schließen, ist der Campo de Seteais Gemeingut.
Die 4. Klausel des Pachtvertags von 1801 lautet:
as sobreditas portas francas e publicas do referido gradeamento do mesmo campo que derem serventia para a entrada e sahida do dito paceio publico serão construidas de tal forma que sem dependência alguma possam entrar e sahir por ellas todas as pessoas que delle se quizerem servir e utilizar, sem nunca em tempo algum estarem fechadas com chave, ferrolho, cadeado ou outro fecho semelhante
Stets müsse das Gelände offen und für alle zugänglich sein - und so blieb das Campo de Seteais nach den erfolgreichen Protesten von 1801, 1897 und 1934 immer Gemeingut.
Doch sowohl die Bezirksregierung wie die "Parques de Sintra Monte da Lua" haben offensichtlich Verständnis für den Rechtsbruch und halten es nicht für notwendig, Auskunft zu geben. Am 28. März 2008 hatte die Politik eine schnelle Reaktion versprochen; seitdem hüllt man sich auch in den zuständigen Ministerien in Schweigen. (Die IGESPAR untersteht dem Kulturministerium.)
Unterdessen artikulieren engagierte Bürger ihren Protest, vor allem im Internet und in der Presse. Am 18. Juni versammelten sich besorgte Einwohner der Stadt vor den verschlossenen Toren von Seteais, um deren rasche Öffnung zu verlangen.
(Das Campo de Seteais gehört zwar nicht zum Weltkulturerbe. Doch niemand stört sich daran, dass sogar das Weltkulturerbe Sintras (wie Penha Verde und das Convento do Carmo) nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Wahrscheinlich deswegen, weil dieses Erbe gar nicht im Besitz der (Welt-)Öffentlichkeit ist, sondern in den Händen von Politik und Marketing. Soll man deswegen die Idee des Welterbes verabschieden oder sie noch verteidigen?)
Wenn João Cachado von der "atitude de manifesta prepotência", von einer offensichtlich präpotenten Attitüde der Pächter spricht, so charakterisiert das sicher die Unverfrorenheit, mit der private Investoren sich das Gemeingut unter den Nagel reißen. Aber was haben die Bürger dieser Attitüde entgegenszusetzen?
Dass die protestierenden Bürger nicht einmal in der Lage sind, nicht eimmal leidenschaftlich und ungehorsam genug sind, einen Zaun einzureißen und ein Tor zu öffnen, zeigt, welche Partei in diesem Streit längst gewonnen hat.
Ob der Campo de Seteais nach den Baumaßnahmen wieder für die Öffentlichkeit frei zugänglich sein wird, scheint mir deswegen mehr als ungewiss. Innerhalb eines Jahres werden sich die Bürger Sintras mit der Situation abgefunden haben und wird ein weiteres Stück Gemeingut privatisiert sein.
Fast vergessen ist ja, dass der Zugang zum Penedo da Saudade, zum Sehnsuchtsfelsen schon während der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts geschlossen wurde, ebenfalls vom gegenwärtigen Pächter des Hotels. Der legendäre romantische Ort wurde zu einem Park umgestaltet und mit Gitter und Toren umgeben.
Eine in der Tat traurige Lektion über den Zustand der portugiesischen Deomokratie: demokratische Rechte werden von einer mächtigen Finanzgruppe verletzt - und die Politik schaut zu.
Por um lado, grandes abusos dos mais poderosos. Por outro, a quase geral apatia dos cidadãos que tudo admitem como uma fatalidade.
(Einerseits gewaltiger Machtmissbrauch. Andererseits die fast vollständige Apathie der Bürger, die das alles als Schicksal akzeptieren.)
Provokation gelungen.
Unter dem Stichwort Seteias finden Sie weitere Artikel und Hintergrundinformationen.
Zuletzt geändert am 26.09.2008 10:41:45 von K.P.
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